Marokko 2024, Teil 2 Fez und ab in Richtung Hoher Atlas
Tag 6
Natürlich brauchten wir hier auch ein Bild von uns beiden, das ist sozusagen obligatorisch Pflicht 😏
Nach diesem Einstieg ging es wieder in die Gassen und Zouhir erklärte uns den Unterschied zwischen einem Riad und einem Dar. Ein Riad ist ein großes Haus das zwei Eingänge besitzt und einen großen, zum Teil prächtigen, Innenhof hat. Ein Dar ist ein kleines Haus ohne Innenhof. Diese Riads beherbergen heute Hotels und Unterkünfte anderer Art. Von außen ist die Herrlichkeit, die innen zu sehen ist, absolut nicht zu erkennen.
So marschierten wir durch enge Gassen, bewunderten herrliche Schnitzereien aus Zedernholz, Durchgänge wie Tunnels und landeten schließlich in einen Haman, hier erklärte uns der Besitzer wie der Ablauf hier wäre, wenn wir einen Besuch wählen würden.
Dies taten wir jedoch nicht da wir ja am Anfang unserer Marokko Reise waren und wir nicht alles gleich zu Beginn machen wollten. So ging es weiter, wir konnten kurz in die älteste Universität, die zugleich auch Gebetshaus war, werfen und von der Dachterrasse eines Teppichhändlers hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf die Medina.
Unterwegs kauften wir noch eine Dattel, Nussmischung die nicht gerade sehr günstig war und da wir auf der Suche nach der Gewürz Mischung Ras el Hanout waren, eine Mischung in der die wichtigsten Gewürze der marokkanischen Küche enthalten sind, führte uns Zouhir in einen Gewürzladen. Schon beim Eintritt roch es herrlich und wir wurden hervorragend durch eine junge Dame beraten. Am Schluss kauften wir die Gewürzmischung und noch ein Kaktus Öl das Ela und mich um Jahre jünger und noch schöner aussehen lassen wird 😎
Unsere weitere Reise führte uns über eine Moschee auf einen Platz auf dem wir zuschauen konnten wie Handwerker Gegenstände aus Kupfer und anderen Metallen herstellten. Dazu muss man wissen dass die Medina von Fez eine der ältesten Handwerksstätten in Marokko ist.
Ein weiteres Highlight von der Medina von Fez war die Gerberei. Hier wurde nach jahrhunderter Jahre alter Tradition Leder gegerbt. Schon in der Nähe der Gerberei war der Geruch ziemlich streng.
Von der Dachterrasse des Verkaufsgeschäftes von herrlichen Lederwaren aller Art konnte man das Treiben in der Gerberei bestaunen und beriechen. Schon beim Eintritt ins Haus bekam man einen Zweig Minze gereicht, den man sich unter die Nase halten konnte. Hier oben wurde einem dann auch das Gerben des Leders erklärt und wir konnten den Arbeitern zuschauen. Ein absoluter Scheißjob, im wahrsten Sinne des Wortes.
Zunächst wurde die Rohware, also die Häute, unten im Fluss gewaschen. Anschließend kamen sie in die Bottiche mit der weißen Flüssigkeit, eine Mischung aus Taubenkacke, Salz, Wasser und Kalk. Die Taubenkacke war für den strengen Geruch zuständig denn diese enthielt Ammoniak. Hier wurden die Häute 24 Tage lang behandelt und auch mehrfach gewendet, alles Handarbeit.
Anschließend kamen sie in die dunklen Becken und wurden hier eingefärbt, mit natürlichen Farben wie Safran für Gelb. Danach wurden das Leder noch in Handarbeit mit einem Messer geschabt und kamen dann zum trocknen. Also ich wollte hier wirklich nicht arbeiten.
Nachdem wir den Verkäufer davon überzeugt hatten dass wir nichts kaufen wollten ging es weiter. Da wir, von der Zeit her, langsam auf das Mittagsgebet zugingen kamen wir auch so Richtung Ende unserer Tour. Wir besichtigten noch ein wunderschönes Riad, schauten noch kurz in eine Moschee, sahen das Zedernholz Museum mit seinem wichtigen und schönen Brunnen und kamen Schluss endlich wieder zu unserem Otto.
Hier aßen wir zunächst etwas, denn unser Frühstück war ein bisschen zu kurz gekommen. Da es in Fez außer der Medina eigentlich nichts außergewöhnliches mehr zu sehen gab und der Stellplatz zwar zweckmäßig aber nicht wunderschön war, beschlossen wir noch ein paar Kilometer zu fahren. Ziel war der Schweizer Skiort Ifrane wo es in kurzer Distanz zum Ort einen tollen Campingplatz gab. Wir kamen gegen 18:00 Uhr dort an und fanden einen schönen Stellplatz. Zum Schweizer Skiort gibt es morgen mehr.
Da wir mal langsam in den hohen Atlas kommen und uns das Schweizer Dorf nochmals anschauen wollten gaben wir ein bisschen Gas. Eigentlich viel uns jetzt erst auf in welcher herrlichen Anlage wir übernachtet hatten. Der Campingplatz war an ein Hotel angeschlossen, das aber zum Verkauf stand. Nur der Campingplatz war noch in Betrieb. Das Hotel sah aus wie ein Schloß und ich wollte nicht wissen was da die Nacht einmal gekostet hatte, auf jeden Fall war es wunderschön.
Kurz bevor wir dann die Baumgrenze überschritten und auf eine sehr coole Hochebene kamen, sahen wir noch ein paar Affen am Wegesrand. Die passten eigentlich so gar nicht in dieses Bild. Da ich ja Affen nicht gerne mag und Ela auch keinen Bock hatte anzuhalten fuhren wir einfach weiter.
Am Abend war es dann soweit, wir weihten unsere Tajine ein. Schon im Vorfeld hatten wir dazu Lebensmittel eingekauft. Voller Tatendrang wollte ich schon mit dem kochen anfangen und surfte noch ein bisschen im Internet zu diesem Thema. Oh Schreck, normalerweise musste die unglasierte Tajine, vor dem ersten Gebrauch, erstmal über Nacht gewässert werden. Wir hatten Hunger also nicht die Zeit dazu, eine Stunde Wässerung musste ausreichen.
Dann die nächste Verzögerung, die Tajine musste vor dem ersten Gebrauch auch noch mit Olivenöl und Gewürzen eingebrennt werden. Also nach der Wässerung trocknete ich sie ab und gab etwas Öl hinein. Anschließend stellte ich sie auf den Herd und erhitzte sie mal vorsichtig. Wir wollten einfach verhindern dass die Tajine uns platzte und das ganze Öl mit den Gewürzen auf unserem Herd umeinanderlief.
Nachdem auch dieser Vorgang zu unserer Zufriedenheit erledigt war goss ich reichlich Olivenöl hinein und gab noch Lorbeerblätter und Thymian hinzu. Anschließend heizten wir ihr mal richtig ein und nach 25 Minuten war dies auch erledigt, ohne irgendwelche Schäden. Es duftete jetzt schon herrlich.
Ela hatte in der Zwischenzeit das Gemüse und die Kartoffeln vorbereitet. Das Einbrennöl wurde weg geschüttet. Da ich mir nicht ganz sicher war briet ich das Hähnchenfleisch und anschließend das Gemüse, zusammen mit unserer gekauften Ras El Hanoud Gewürzmischung leicht an und anschließend schichtete ich alles in die Tajine.
Den Deckel drauf und schon garten wir unser Gericht bei kleiner Flamme 45 Minuten. Der Duft der jetzt entweichte war oberköstlich und wir freuten uns schon auf das Resultat. Mittlerweile hatte wir auch schon richtig Hunger. Dann war es soweit, die Zeit war um und wir öffneten vorsichtig die Tajine, es sah sehr lecker aus und schien gelungen. Das war es auch, wir aßen voller Genuss fast alles Ratze Putz auf.
Es war Ruhetag und wir ließen es einfach gemütlich angehen. Zunächst heizten wir mal im Otto richtig ein und genehmigten uns eine Dusche. Seit wir unterwegs waren hatte sich das duschen auf zwei bis maximal drei mal pro Woche eingepegelt. Auch hier, wie noch bei ein paar anderen Dingen den Körper betreffend, stellten wir fest dass sich auch die Ausdünstung des Körpers ohne den täglichen Stress, verändert hat. Man riecht wesentlich weniger.
Unser Spaziergang endete an einem kleinen See mit herrlichem Panorama und hier verweilten wir eine Zeit, genossen das hier und jetzt.
Zurück bei Otto saßen wir noch in der Sonne und ich machte mein Spezial Trainingsprogramm. Wir lasen noch etwas und warteten darauf dass das Restaurant vom Platz um 19:00 Uhr öffnete, dort aßen wir dann zu Abend.
Ein Mann mit einem Fahrrad kam daher und wollte uns zu einer Mine führen die gleich neben unserem Standplatz sein sollte. Ah noch mehr Minen dachten wir, sagten aber dankend ab um unser eigentliches Ziel zu erreichen.
Einige holprige Zeit mehr standen plötzlich vereinzelte Häuser die anschließend in die Mine von Aouli übergingen. Wir waren am Ziel.
Gleich als wir dort eintrafen kamen zwei Jungs auf uns zu und stellten sich als Othmane und Azdine vor. Sie machten einen sehr netten Eindruck und waren auch in keinster Weise aufdringlich sondern unterhielten sich einfach mit uns. Eine Mischung aus französisch und ein bisschen Englisch gemischt mit Händen und Füßen 😀wir engagierten sie als Führer für die Mine.
Wir liefen so dahin, unterhielten uns, bestaunten Felsformationen und ich Männer die mit Fahrrädern an uns vorbei in die Mine gingen. Mir war noch nicht so ganz klar was und wie hier die Geschichte ablief aber ich wollte mich einfach überraschen lassen.
Weiter ging unsere Erkundungstour und wir kamen am Schlafplatz der Miner vorbei, die gerade eine Pause machten. Sie schliefen teilweise tatsächlich hier in der Mine. Ihre Fahrräder waren schon vollgepackt für den Transport.
Dann kamen wir zum Schwimmbad das zum Haus der ehemaligen Direktion dazu gehörte, irgendwie nicht real das alles 😕
Anschließend wollten wir zum Kino laufen und mussten dazu über eine Brücke, die auch nicht sehr Vertrauenserweckend aussah. Ich dachte schon dass Ela hier wieder einen Rückzieher machen würde. Falsch gedacht, tapfer und mit der Hilfe unserer Guides überquerte sie das Hindernis.
Als wir genug Foto Shooting gemacht hatten liefen wir zurück zum Otto und machten uns auf den Weg zu den Minen von Mibladen. Othmane fuhr mit dem Roller und Azdine mit uns. An der Holzbrücke drehten wir noch einen Actionfilm und kurze Zeit später waren wir bei den Minen.
Nachdem wir uns auch hier satt gesehen hatten war es zeit für den Abschied von unseren Guides. Ich kaufte mir noch ein Stück Pyrit, das mir schon seit Spanien ins Auge gestochen war, wir gaben den Jungs einen guten Lohn und fuhren anschließend über Midelt, wo wir noch was einkauften, zurück zum Campingplatz. Ein wunderschöner und erlebnisreicher Tag ging zu Ende und wir mussten die Eindrücke jetzt erst mal verarbeiten.
Das hätte ich doch beinahe vergessen. Ela hatte auf der Rückfahrt ihre erste Otto Fahrstunde und diese mit Bravour bestanden.
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