🇹🇷 Türkei mit dem Wohnmobil – Auf ins geheimnisvolle Ostanatolien 🚐🏔️🌍 05.07. – 09.07.2026
🌍 Die Reise geht weiter – auf nach Ostanatolien
Nach unzähligen Kilometern entlang der türkischen Mittelmeerküste, spektakulären Landschaften und den märchenhaften Felsformationen Kappadokiens wartet nun ein völlig neuer Abschnitt unserer Reise auf uns. Unser Ziel führt uns weit in den Osten der Türkei – eine Region, die viele Reisende kaum kennen und die für ihre jahrtausendealte Geschichte, beeindruckende Landschaften und ihre außergewöhnliche Gastfreundschaft bekannt ist.
Was uns dort erwartet, wissen wir selbst noch nicht genau. Genau das macht dieses Abenteuer so spannend. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg nach Ostanatolien – bereit für neue Begegnungen, überraschende Entdeckungen und unvergessliche Momente.
🚐 05.07.2026 – Von Yumurtalık nach Gaziantep – Kurs auf Ostanatolien
Gestern hatten wir tatsächlich noch kurz mit dem Gedanken gespielt, einfach einen weiteren Strandtag einzulegen. 🌊 Unser Stellplatz direkt am Meer war einfach zu schön. Der breite Sandstrand, das angenehm warme Wasser und die herrliche Ruhe hatten uns die letzten Tage wirklich begeistert. Doch heute war Sonntag – und genau das sollte unsere Pläne komplett über den Haufen werfen.
Wie immer waren wir schon ziemlich früh wach, doch bereits beim ersten Blick nach draußen merkten wir, dass heute irgendetwas anders war. Eine Unruhe lag in der Luft, die wir hier bisher überhaupt nicht kannten. Ich trat vor die Tür und traute meinen Augen kaum. Fahrzeug um Fahrzeug rollte auf den Platz, am Strand wimmelte es bereits von Einheimischen und vor dem Einfahrtstor bildete sich sogar schon eine kleine Autoschlange. Überall herrschte hektisches Treiben, denn natürlich wollte jeder noch einen der begehrten Schattenplätze ergattern. 🌴 Ela und ich schauten uns nur kurz an. Mehr Worte brauchte es gar nicht. Unser Blick sagte alles: "Nichts wie weg hier!" 😂 Also verschwanden Tisch und Stühle blitzschnell im Kofferraum von Otto, die Markise war zum Glück schon gestern Abend eingefahren worden und auf ein gemütliches Frühstück verzichteten wir ebenfalls. Stattdessen stellten wir uns mit Otto strategisch günstig an die Ausfahrt. Ich musste nur noch schnell unseren Aufenthalt bezahlen. Ali, der Besitzer des Platzes, erklärte mir lächelnd, dass an Sonntagen im Sommer unzählige Familien aus dem Landesinneren ans Meer fahren, um gemeinsam ihren freien Tag zu verbringen. Für viele gehört dieser Ausflug einfach zum Wochenende dazu. Als sich endlich eine kleine Lücke zwischen den ständig ankommenden Fahrzeugen auftat, machten wir uns kurzerhand vom Acker. 🚐💨 Was uns dabei entgegenkam, war schon beeindruckend. Kleine Lieferwagen, deren Ladeflächen bis oben hin mit der ganzen Familie, Sonnenschirmen, Grill, Kühlboxen, Stühlen und gefühlt dem halben Hausrat beladen waren. Da wurde wirklich das komplette Wohnzimmer an den Strand verlegt. 😄
Unser Aufbruch war allerdings so spontan gewesen, dass wir weder Frischwasser aufgefüllt noch die Toilette geleert hatten. Selbst das Frühstück war ausgefallen. Aber überhaupt kein Problem. Da wir ohnehin Wäsche waschen mussten, hatte ich bereits am Vortag in Gaziantep einen kommunalen Caravanpark herausgesucht. Der war nicht nur erfreulich günstig, sondern Waschmaschine und Trockner waren sogar schon im Übernachtungspreis enthalten. 👍 Also hielten wir nach dem ganzen Trubel erst einmal kurz an, gaben den neuen Stellplatz in Google Maps ein und ich kontrollierte vorsichtshalber nochmals die Route. Nach unserer kleinen Abenteuerfahrt durchs Taurusgebirge vor ein paar Tagen wollte ich diesmal lieber sicher gehen. 😅 Doch Madame Google war heute ausgesprochen freundlich zu uns und schickte Otto über eine ganz entspannte Strecke. Zunächst ging es über kleinere Straßen hinauf zur D817, später wieder auf die uns mittlerweile bestens bekannte D400. Als wir unterwegs an einem kleinen Parkplatz anhielten und ich dort tatsächlich meine geliebten Sesamringe entdeckte, war die Frühstückspause natürlich sofort beschlossen. 🥨 Mittlerweile knurrte uns beiden nämlich ganz ordentlich der Magen.
Je weiter wir nach Osten kamen, desto mehr veränderte sich auch die Landschaft. Gleichzeitig fiel uns auf, dass die Polizeikontrollen nun fast überall gemeinsam mit Militär durchgeführt wurden. Kontrolliert wurden wir allerdings nie. Sobald die Beamten unser deutsches Kennzeichen sahen, wurden wir freundlich weiter gewunken. Kein Wunder – schließlich rückte die syrische Grenze Kilometer für Kilometer näher. Kurz vor Göçedere legten wir auf einer Anhöhe noch einen kleinen Fotostopp ein. Die Landschaft wirkte plötzlich viel weiter, trockener und irgendwie ursprünglicher als an der Mittelmeerküste.
Links von uns lag bereits Syrien, auch wenn dies auf keinem einzigen Straßenschild erwähnt wurde. Schon ein seltsames Gefühl. Gleichzeitig fuhren wir durch die riesige und fruchtbare Çukurova-Ebene, eine der wichtigsten Landwirtschaftsregionen der Türkei. Baumwollfelder, Getreide, Pistazien und unzählige andere Kulturen bestimmten hier das Bild. 🌾 Gemütlich rollten wir mit unseren üblichen 90 km/h weiter. Geblitzt wurde hier erstaunlich oft und nach unserem letzten Strafzettel hatten wir wirklich keine Lust auf eine weitere Spende an den türkischen Staat. 📸😂
Am Nachmittag erreichten wir schließlich den Gaziantep Karavan Parkı. Schon auf dem Weg zur Rezeption entdeckten wir ein großes Wohnmobil mit Ravensburger Kennzeichen. Natürlich wurde sofort freundlich gewunken. 👋 Erst checkten wir jedoch ganz in Ruhe ein, bezahlten zwei Übernachtungen und suchten uns einen schönen Stellplatz aus. Nachdem Otto eingerichtet war, liefen wir zu unseren neuen Nachbarn hinüber und plauderten eine ganze Weile. So lernten wir Angie und Clemens kennen. Sie wollten anschließend genau die Strecke fahren, aus der wir gerade gekommen waren – da konnten wir natürlich gleich ein paar Tipps austauschen.
Weil wir unterwegs leider nicht eingekauft hatten und die Supermärkte hier deutlich seltener wurden, befreite ich anschließend unseren treuen Tweety aus seiner Garage und düste zum nächsten BİM-Supermarkt. 🛵 Getränke, etwas Gemüse und die wichtigsten Kleinigkeiten waren schnell besorgt. Am Abend wurde es wegen der Hitze nur eine gemütliche Vesper. Also fuhr ich noch einmal los, besorgte frisches Brot und zwei schön kalte Biere, die nach meiner Rückkehr selbstverständlich sofort verhaftet wurden. 🍺😄 Nach einem letzten Plausch mit unseren Nachbarn ließen wir den Abend gemütlich ausklingen, bevor wir müde ins Bett fielen.
Morgen wollten wir endlich das berühmte Mosaikmuseum von Gaziantep besuchen, das zu den bedeutendsten seiner Art auf der ganzen Welt gehören soll. Darauf freuten wir uns schon riesig. 🤩 Gleichzeitig wartete nun der Teil unserer Türkei-Reise auf uns, auf den wir uns seit Wochen gefreut hatten. Über Şanlıurfa sollte es weiter nach Adıyaman gehen, anschließend hinauf auf den legendären Nemrut Dağı mit seinen gewaltigen Steinköpfen, danach nach Diyarbakır und schließlich wieder Richtung syrische Grenze nach Mardin – einer Stadt, die seit Jahrhunderten auf einem Felsen über Mesopotamien thront. Schon beim Blick auf die Karte war uns klar: Jetzt begann ein völlig neues Kapitel unserer Reise. 🚐🇹🇷✨
🚐 06.07.2026 – Gaziantep überrascht uns auf ganzer Linie 🤩🏺🥮
Nach einer wunderbar ruhigen Nacht begann der heutige Morgen eigentlich ganz entspannt. Frühstück, ein gemütlicher Start in den Tag und anschließend wollten wir das berühmte Zeugma-Mosaikmuseum besuchen. Doch kaum wollte Ela heißes Wasser zum Geschirrspülen machen, brachte unser Warmwasserboiler erst einmal unseren Kreislauf in Schwung. 😅 Ständig ging das gute Stück auf Störung. Immer das gleiche Spiel: Der Boiler lief kurz an, wenige Sekunden später leuchtete wieder das rote Störungssymbol. Mehrere Versuche brachten genau das gleiche Ergebnis. Da wir aber möglichst früh ins Museum wollten, verschob ich die Reparatur kurzerhand auf den Nachmittag. Schließlich sollte uns ein störrischer Boiler nicht den Tag vermiesen. Also schnappten wir uns Tweety 🛵 und machten uns auf den Weg quer durch Gaziantep.
Das berühmte Zeugma-Mosaikmuseum liegt genau auf der anderen Seite der Stadt, sodass wir schon am frühen Morgen eine ausgedehnte Rollerfahrt vor uns hatten. Dabei lernten wir den Stadtverkehr von Gaziantep ziemlich schnell kennen. Die Straßen sind zwar angenehm breit, allerdings scheint das mit den Fahrspuren eher als unverbindlicher Vorschlag verstanden zu werden. 😂 Jeder fährt dort, wo gerade Platz ist, wechselt spontan von links nach rechts oder überholt einfach irgendwo dazwischen. Höchste Konzentration war also angesagt – wobei mein Kreislauf dank unseres Boilers ohnehin schon auf Betriebstemperatur war. 🔥
Nach einiger Zeit erreichten wir schließlich das Museum und waren erst einmal ziemlich überrascht. Mit so einem modernen und imposanten Gebäude hatten wir ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet. 😲 Von außen wirkte das Zeugma-Mosaikmuseum eher wie ein riesiger, moderner Museums- oder Kongresskomplex als wie ein klassisches archäologisches Museum.
Tweety bekam unter einem schattigen Baum seinen Parkplatz und wir machten uns gespannt auf den Weg zum Ticketschalter. Dort kam allerdings gleich der erste kleine Dämpfer. Für unseren Eintritt bezahlten wir rund 12 Euro pro Person, während Einheimische umgerechnet gerade einmal 1,82 Euro bezahlen. 💶 Natürlich geht es dabei nicht nur ums Geld. Allerdings summieren sich die Eintrittspreise auf einer längeren Türkei-Reise inzwischen ganz ordentlich. Aus unserer Sicht hat die türkische Regierung hier die Preisschraube für ausländische Besucher etwas zu weit angezogen. Schließlich bringen Touristen wichtige Devisen ins Land. Wenn viele Reisende aufgrund der hohen Preise jedoch die Hälfte der Sehenswürdigkeiten auslassen, dürfte am Ende vermutlich auch nicht mehr Geld in die Staatskasse fließen. Aber das ist natürlich nur unsere persönliche Meinung und darüber darf jeder gerne anders denken. 😊
Mit den Eintrittskarten in der Hand waren wir nun aber gespannt, ob das Museum seinem hervorragenden Ruf wirklich gerecht werden würde. Schon in wenigen Minuten sollten wir feststellen, warum das Zeugma-Mosaikmuseum zu den bedeutendsten Mosaikmuseen der Welt zählt. 🤩
Also rein ins Geschehen. Fast wie am Flughafen wurden wir zunächst einmal gründlich kontrolliert. Handy, Geldbeutel – alles raus aus den Taschen, Elas Handtasche wanderte durch den Scanner und erst danach durften wir das Museum betreten. Schon der allererste Blick verschlug uns förmlich die Sprache. 😲 Mit so etwas hatten wir überhaupt nicht gerechnet.
Nie im Leben hätte ich gedacht, hier Mosaike in einer solchen Größe, Menge und vor allem in dieser unglaublichen Qualität zu sehen. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass diese Kunstwerke viele Jahrhunderte unter Schutt und Erde verborgen lagen, wird einem erst bewusst, was hier eigentlich geschaffen wurde. Insgesamt besteht das Museum aus zwei riesigen Hallen mit jeweils drei Stockwerken und so schlenderten Ela und ich staunend durch die Gänge. Ehrlich gesagt hätten wir beide nie gedacht, dass uns Mosaike einmal so faszinieren könnten. 🤩
Vor unserem Besuch hatte ich lediglich kurz nachgelesen, ob sich das Museum überhaupt lohnt. Die vielen begeisterten Bewertungen hatten uns schließlich überzeugt, genauer mit der Geschichte dahinter hatte ich mich aber bewusst nicht beschäftigt. Erst hier erfuhren wir, woher diese beeindruckenden Kunstwerke eigentlich stammen. Die meisten Mosaike wurden in der antiken Römerstadt Zeugma entdeckt, die vor über 2.000 Jahren direkt am Euphrat lag. Damals war Zeugma eine der wohlhabendsten Städte des Römischen Reiches. Reiche Kaufleute und hohe Offiziere schmückten ihre luxuriösen Villen mit kunstvollen Bodenmosaiken, die Geschichten aus der griechischen Mythologie erzählten. Fast wäre dieser einmalige Schatz jedoch für immer verloren gegangen. Ende der 1990er-Jahre sollte durch den Bau des Birecik-Staudamms ein großer Teil der antiken Stadt im Wasser des Euphrats versinken. Unter enormem Zeitdruck arbeiteten Archäologen aus aller Welt und konnten viele der kostbaren Mosaike buchstäblich in letzter Minute bergen. Ein großer Teil der antiken Stadt liegt heute tatsächlich unter Wasser – umso beeindruckender ist es, dass so viele dieser Meisterwerke gerettet werden konnten. 👍
Schließlich erreichten wir das berühmteste Ausstellungsstück des Museums überhaupt – das geheimnisvolle „Gypsy Girl“, auf Deutsch meist als „Zigeunermädchen“ bezeichnet. Dafür wurde sogar ein eigener, abgedunkelter Raum geschaffen. Obwohl das Mosaik eigentlich gar nicht besonders groß ist, zog es uns sofort in seinen Bann. Vor allem die Augen sind unglaublich ausdrucksstark. Man hat fast das Gefühl, dass sie einen verfolgen, ganz egal, aus welcher Richtung man das Bild betrachtet. Bis heute weiß übrigens niemand mit Sicherheit, wen das Mosaik überhaupt zeigt. Manche vermuten eine Begleiterin des Weingottes Dionysos, andere sehen darin sogar eine Göttin. Gerade dieses Geheimnis macht das kleine Kunstwerk wohl so faszinierend. Nicht umsonst wird es oft als die „Mona Lisa von Zeugma“ bezeichnet. 👀
Nachdem wir dieses Meisterwerk ausgiebig bestaunt hatten, meldete sich langsam der Durst. Also folgten wir den Schildern zum Café. Dieses befand sich im Innenhof zwischen den beiden Museumsgebäuden. Als wir durch einen Ausgang nach draußen wollten, stoppte uns allerdings ein Sicherheitsmitarbeiter und erklärte uns freundlich, dass wir nach dem Verlassen des Gebäudes nicht mehr zurück ins Museum dürften. Das fanden wir ehrlich gesagt etwas unglücklich gelöst. Ein kleiner Tipp deshalb an alle, die das Museum ebenfalls besuchen möchten: Nehmt euch lieber etwas zu trinken mit oder trinkt vorher ausreichend. Ob Getränke mit ins Museum genommen werden dürfen, wissen wir allerdings nicht.
So schauten wir uns das zweite Gebäude zwar etwas schneller an, konnten die dort ausgestellten Mosaike aber trotzdem noch in aller Ruhe genießen. Irgendwann war der Durst dann doch größer als unsere Neugier und wir verließen das Museum endgültig, gönnten uns erst einmal eine ordentliche Erfrischung und machten uns anschließend auf den Weg zu unserem nächsten Ziel.
Schon vor unserem Museumsbesuch hatten wir den berühmten Kupferbasar der Altstadt von Gaziantep ausgesucht. Dort sollte man den Kupferschmieden noch bei ihrer traditionellen Handarbeit zusehen können. Da Gaziantep – zumindest aus europäischer Sicht – nicht gerade zu den klassischen Touristenzielen gehört, hofften wir, hier noch echtes Handwerk für die Einheimischen erleben zu können. Also schwangen wir uns wieder auf Tweety 🛵 und kämpften uns erneut durch den lebhaften Stadtverkehr. Google Maps führte uns erstaunlich zuverlässig bis in die Altstadt. Tweety parkten wir kurzerhand frech unter einem schattigen Baum zwischen einigen anderen Rollern und machten uns zu Fuß auf Entdeckungstour.
Tatsächlich waren Ela und ich weit und breit die einzigen europäischen Touristen. Dadurch wirkte alles viel entspannter als in den bekannten Urlaubsorten. Natürlich wurden wir hier und da angesprochen, doch ein freundliches „Nein“ wurde sofort akzeptiert. Wir schlenderten gemütlich durch die kleinen Gassen, bestaunten die kunstvoll gefertigten Kupferwaren, Schmuckstücke und schauten den Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter. 📿🔨
Eher zufällig gelangten wir anschließend noch in eine wunderschöne historische Basarhalle mit ihren beeindruckenden steinernen Kuppeln und Gewölben. Eigentlich hatten wir sie laut Google Maps ganz woanders vermutet – da scheint der Standort wohl nicht ganz zu stimmen. 😄 Die Halle stammt bereits aus dem 18. Jahrhundert und beherbergt heute zahlreiche kleine Geschäfte mit Schmuck, Gewürzen, Kunsthandwerk und vielen regionalen Spezialitäten. Obwohl sie wunderschön restauriert ist, kaufen hier immer noch viele Einheimische ein, was dem Ganzen eine sehr angenehme Atmosphäre verleiht.
Nachdem wir auch diesen Teil der Altstadt erkundet hatten, reichte uns das Stadtleben fürs Erste wieder. Auf dem Rückweg zu Tweety kamen wir an einer Baklava-Bäckerei vorbei. Gaziantep gilt schließlich als die Baklava-Hauptstadt der Türkei – viele sagen sogar der ganzen Welt. Berühmt ist die Stadt außerdem für ihre besonders aromatischen Antep-Pistazien, die als die besten des Landes gelten. 🥮🌱 In der Auslage lagen drei verschiedene Sorten Baklava mit entsprechend unterschiedlichen Preisen. Dank des Google-Übersetzers fanden wir auch schnell heraus, woran das lag: Je mehr Pistazien verarbeitet werden, desto teurer wird das Gebäck. Na, wenn schon, denn schon! 😄 Natürlich entschied ich mich für die edelste Variante und ich kann euch sagen: Das war mit Abstand das beste Baklava, das ich je gegessen habe. Unglaublich knusprig, herrlich buttrig und voller Pistazien. Einfach himmlisch! 🤤 Da Ela mit Süßigkeiten bekanntlich nicht viel anfangen kann, blieb für sie leider keines übrig. Danach ging es zurück auf Tweety und wieder zu Otto. Dort wartete schließlich noch unser störrischer Warmwasserboiler auf mich. Ihr seht also – Reisen ist manchmal ganz schön stressig. 😂🚐
Wieder bei Otto angekommen machte ich mich erst einmal an die Fehlersuche. 🔧 Natürlich begann ich mit einem Test und... wie sollte es auch anders sein... sofort wieder Störung. Also schraubte ich außen die Abdeckung des Kamins ab. Eine mögliche Ursache konnte schließlich eine verstopfte Frischluftzufuhr oder der Abgasweg sein. Zwar konnte ich auf den ersten Blick nichts Auffälliges entdecken, aber ich blies trotzdem kräftig hinein, stocherte vorsichtig mit dem Schraubenzieher herum und startete den Boiler anschließend erneut. Und siehe da – keine Störung mehr! 😄 Manchmal muss man die Technik einfach nicht verstehen.
Jetzt musste nur noch die Abdeckung wieder montiert werden. Eigentlich eine Sache von wenigen Sekunden... wenn ich sie beim Abnehmen nicht versehentlich in zwei Teile zerlegt hätte. 😂 Das Plastik war nach den vielen Jahren wohl doch ziemlich spröde geworden und ein etwas kräftiger Ruck hatte genügt. Zum Glück hatte ich noch meinen Superkleber samt Primer aus dem Modellbau an Bord. Ein paar Tropfen, kurz zusammendrücken und schon war das gute Stück wieder wie neu. Also alles wieder montiert, Boiler eingeschaltet und... er lief tatsächlich weiterhin einwandfrei. Na also – 1:0 für Pit! 😎👍
Mittlerweile waren auch Angie und Clemens von ihrem Stadtbummel zurückgekehrt und natürlich wurde gleich noch eine ganze Weile geplaudert. Dabei erzählten sie uns, welche Kinderkrankheiten ihr wunderschönes Niesmann-Wohnmobil in der Anfangszeit so gehabt hatte. Das zeigte einmal mehr, dass auch ein Fahrzeug aus der absoluten Oberklasse nicht automatisch frei von Problemen ist. Irgendwie beruhigte mich dieser Gedanke sogar ein wenig. 🚐
Langsam meldete sich dann der Hunger. Da Ela und ich heute beide so gar keine Lust zum Kochen hatten, schnappten wir uns noch einmal Tweety 🛵 und fuhren zu einem Restaurant, das uns bereits bei unseren Fahrten durch Gaziantep aufgefallen war – LEZZET SARAYI ET. Schon beim Betreten merkten wir, dass wir dort wohl eher eine Seltenheit waren. Der Besitzer begrüßte uns unglaublich herzlich und freute sich sichtlich darüber, einmal Gäste aus Deutschland bewirten zu dürfen. Da das Restaurant etwas außerhalb der eigentlichen Innenstadt lag, verirren sich europäische Touristen vermutlich nur äußerst selten hierher.
Und was sollen wir sagen? Wir wurden kulinarisch richtig verwöhnt. 🥩🥗 Alles war frisch zubereitet, unglaublich lecker und der Service ließ keine Wünsche offen. Der Inhaber fragte uns schließlich, ob wir ihm eine Google-Bewertung schreiben könnten. Nach diesem Essen mussten wir darüber natürlich nicht lange nachdenken. Das machten wir wirklich gerne. ⭐⭐⭐⭐⭐
Satt und zufrieden fuhren wir anschließend zurück zu Otto. Der Boiler funktionierte wieder, wir hatten hervorragend gegessen und einen rundum gelungenen Tag in Gaziantep erlebt. Viel besser hätte dieser kaum enden können. 😊 Morgen sollte unsere Reise dann noch weiter in Richtung Osten führen. Doch das war eine Geschichte für den nächsten Tag. Jetzt fielen uns erst einmal ziemlich schnell die Augen zu. 😴🚐🌙
🚐 07.07.2026 – Von Gaziantep nach Şanlıurfa – Auf den Spuren des Propheten Abraham 🌞🐟🇹🇷
Heute war es dann soweit. Unsere Reise führte uns weiter in Richtung Osten der Türkei. Gleichzeitig bedeutete das aber auch wieder Abschied nehmen von Menschen, die einem in kürzester Zeit ans Herz gewachsen waren. ❤️ So verabschiedeten wir uns von Angie und Clemens, wünschten uns gegenseitig eine gute Weiterreise und weil die beiden beim Zusammenpacken etwas flotter waren als wir, rollten sie als Erste vom Platz. Kurz darauf war auch bei uns alles verstaut. Tweety verschwand wieder in seiner Garage, der Frischwassertank wurde noch einmal gefüllt, die Toilette entleert und schon konnte Otto wieder zeigen, was in ihm steckt. 🚐
So richtig Hunger hatten wir beide noch nicht. Deshalb beschlossen wir, unterwegs einfach irgendwann gemütlich zu frühstücken. Zunächst führte unser Weg aber nicht zu einer Sehenswürdigkeit, sondern ganz bodenständig zum nächsten Migros-Supermarkt. Unsere Getränkevorräte waren praktisch aufgebraucht und auch der Kühlschrank verlangte dringend nach Nachschub. Erstaunlich, was bei diesen Temperaturen jeden Tag an Wasser und Getränken verschwindet. 🥵 Nachdem wir den Einkaufswagen gut gefüllt hatten, lotste uns Madame Google gleich weiter zu einem Geldautomaten. Campingplatz und Restaurant hatten wir schließlich bar bezahlt und unsere Bargeldreserven waren inzwischen ziemlich geschrumpft. Praktischerweise befand sich direkt daneben auch noch eine Apotheke. Dort besorgten wir ein Medikament für Ela und für uns beide ein Mittel gegen Mückenstiche. Die kleinen Biester schienen in der Türkei eindeutig in der Überzahl zu sein. 🦟😄 Anschließend gönnte sich auch Otto noch einen kräftigen Schluck Diesel und dann konnte die eigentliche Reise endlich beginnen.
Schon kurz nach Gaziantep erreichten wir wieder die D400 und rollten gemütlich Richtung Şanlıurfa. Was uns dabei sofort auffiel, waren die riesigen Pistazienplantagen entlang der Straße. Kilometer um Kilometer reihten sich die kleinen Bäume aneinander. 🌳
Gaziantep gilt schließlich als Heimat der berühmten Antep-Pistazie, die weltweit für ihr besonders intensives Aroma bekannt ist. Die trockenen und heißen Sommer dieser Region bieten ideale Bedingungen für ihren Anbau. Kein Wunder also, dass Pistazien hier zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten gehören und man sie praktisch überall wiederfindet – ob im Baklava, als Snack oder in vielen anderen Spezialitäten.
Ich selbst war nach zwei süßen Teilchen aus dem Supermarkt noch ganz gut versorgt und fuhr gemütlich weiter. Irgendwann meldete sich allerdings Ela mit einem dezenten Hinweis, dass sie inzwischen doch langsam Hunger hätte. Ups... kleine Panne meinerseits. 😂 Also suchten wir uns einen passenden Platz am Straßenrand, wo Ela kurzerhand ein paar leckere Wurstbrote schmierte. Im Aufbau wollten wir bei diesen Temperaturen lieber nicht sitzen. Das Thermometer in Otto zeigte mittlerweile bereits 42 Grad an – und die Tendenz ging weiter nach oben. Angie und Clemens hatten uns schon erzählt, dass sie in Şanlıurfa tatsächlich Temperaturen von fast 50 Grad erlebt hatten. Langsam glaubten wir ihnen jedes Wort.
Während wir weiter Richtung Osten rollten und unterwegs unsere Brote verdrückten, wechselte die Landschaft ständig ihr Gesicht. Mal dominierten riesige Getreidefelder, dann wieder scheinbar endlose Pistazienhaine oder trockene, fast steppenartige Flächen. 🌾 Die Region gehört zu den wichtigsten Agrargebieten der Türkei. Durch große Bewässerungsprojekte am Euphrat konnten hier in den vergangenen Jahrzehnten riesige Anbauflächen erschlossen werden. Heute wachsen neben Weizen und Gerste auch Baumwolle, Mais, Linsen und zahlreiche Obstsorten. Dass diese Gegend trotz der Hitze so fruchtbar ist, hätten wir ehrlich gesagt nicht erwartet.
Plötzlich ging es über eine kleine Anhöhe und wie aus dem Nichts lag Şanlıurfa vor uns. Wieder einmal waren wir komplett überrascht. Eigentlich hatten wir eher mit einer kleineren Stadt gerechnet, stattdessen breitete sich vor uns eine riesige Millionenstadt aus. 😲 Madame Google führte uns souverän durch das lebhafte Verkehrsgewühl bis ganz in die Nähe unseres eigentlichen Ziels. Nach kurzer Suche fanden wir auch einen passenden Parkplatz für Otto.
Schon die ersten Schritte durch den Park begeisterten uns sofort. Überall spendeten große Bäume angenehmen Schatten, kleine Wasserläufe sorgten für eine überraschend frische Atmosphäre und unzählige Einheimische genossen den Nachmittag mit ihren Familien. Gefühlt war es hier mindestens zehn Grad kühler als draußen auf den Straßen. 🌳💦
So mischten wir uns unter die zahlreichen Einheimischen und ließen diese ganz besondere Atmosphäre auf uns wirken. Obwohl wir natürlich nicht den religiösen Hintergrund vieler Besucher hatten, spürten wir sofort, dass dieser Ort für unzählige Menschen etwas ganz Besonderes sein musste. 🙏 Überall saßen Familien im Schatten der Bäume, andere fütterten die heiligen Karpfen oder verweilten einfach nur still am Wasser. Eine unglaublich friedliche Stimmung lag über der gesamten Anlage.
Nachdem wir den berühmten Fischteich ausgiebig bestaunt hatten, schlenderten wir noch gemütlich durch den wunderschön angelegten Park, warfen einen Blick auf die zweite Moschee, gönnten uns etwas zu trinken und wurden zwischendurch sogar noch von zwei Kellnern gebeten, ein Erinnerungsfoto von ihnen zu machen. 📸 Solche kleinen Begegnungen sind es oft, die eine Reise besonders machen.
Schließlich kehrten wir wieder zu unserem Otto zurück. Zum Übernachten wollten wir allerdings nicht in Şanlıurfa bleiben. Die Hitze war einfach gewaltig und obwohl der Tag noch längst nicht vorbei war, zeigte das Thermometer immer noch Temperaturen, bei denen man freiwillig keinen Stellplatz ohne Schatten beziehen wollte. 🥵 Also beschlossen Ela und ich spontan, noch ein gutes Stück weiter in Richtung Atatürk-Stausee zu fahren. Dort hatte ich auf Park4Night einen direkt am Wasser gelegenen Stellplatz mit guten Bewertungen entdeckt. Außerdem gab es auf der Strecke ohnehin kaum vernünftige Übernachtungsmöglichkeiten. Also Otto gestartet und weiter ging unsere Reise Richtung Osten. 🚐
Doch kaum hatten wir das Stadtgebiet von Şanlıurfa verlassen, wurde unsere Weiterfahrt plötzlich jäh unterbrochen. Vor uns fuhr eine Motorradstreife der Polizei, deren Beamte uns plötzlich unmissverständlich zu verstehen gaben, rechts heranzufahren. Na toll... 😳 Ich war mir zwar keiner Schuld bewusst, aber wenn die Polizei anhält, dann hält man eben an. Während wir den Anweisungen folgten, wollte ein Autofahrer tatsächlich noch schnell rechts an uns vorbeischlüpfen. Das gefiel dem Polizisten allerdings überhaupt nicht. Sofort bekam der Fahrer eine ordentliche Standpauke verpasst. Da war ich ja schon fast beruhigt. 😂
Ich öffnete die Tür, schnappte mir den Übersetzer auf dem Handy und fragte vorsichtig, was denn eigentlich passiert sei. Der Polizist grinste mich nur breit an und sagte: „Gar nichts... uns hat einfach euer Wohnmobil so gut gefallen!“ 🤣
Bitte was? Damit hätten wir nun wirklich nicht gerechnet.
Also standen wir kurzerhand mit den beiden Beamten am Straßenrand und unterhielten uns eine ganze Weile. Natürlich wollten sie wissen, woher wir kamen, wohin unsere Reise noch gehen sollte und welche Strecke wir bereits durch die Türkei gefahren waren. Stolz zeigten wir ihnen unsere Route auf der Karte und im Gegenzug bekamen wir gleich noch einige Empfehlungen, was wir auf unserem weiteren Weg unbedingt anschauen sollten. Zum Abschluss durfte natürlich auch ein gemeinsames Erinnerungsfoto nicht fehlen. 📸😊
Erst danach verabschiedeten wir uns herzlich und setzten unsere Reise fort. Ganz ehrlich... so etwas erlebt man wahrscheinlich wirklich nur im Ausland. In Deutschland von der Polizei angehalten zu werden, nur weil den Beamten das eigene Wohnmobil gefällt? Das dürfte wohl eher die Ausnahme sein. Genau solche Begegnungen zeigen uns immer wieder, warum wir das Reisen so lieben. ❤️🚐
Kurz hinter Şanlıurfa verließen wir die D400 und bogen auf die D875 ab. Was dann folgte, ließ mich endgültig an so manchem Vorurteil über den Osten der Türkei zweifeln. 😲 Vor uns lag eine perfekt ausgebaute, sechsspurige Straße, deren Fahrbahnbelag so manche deutsche Autobahn locker in den Schatten stellte. Und das mitten im tiefsten Anatolien! In Deutschland glauben viele immer noch, hier würden Eselskarren über staubige Feldwege rollen. Weit gefehlt. Die Straße war ein Traum und so angenehm zu fahren, dass ich vor lauter Genießen doch tatsächlich die Abfahrt zum Atatürk-Staudamm verpasste, den ich mir eigentlich gerne einmal aus der Nähe angesehen hätte. 😂 Also blieb uns nichts anderes übrig, als gemütlich weiterzufahren und dabei das wunderschöne Panorama zu genießen.
Immer wieder konnten wir einen Blick auf den riesigen Atatürk-Stausee werfen. 🌊
Mit einer Fläche von rund 817 Quadratkilometern gehört er zu den größten Seen der Türkei und entstand durch den Bau des Atatürk-Staudamms am Euphrat – einem der gewaltigsten Bauprojekte des Landes. Der Staudamm bildet das Herzstück des sogenannten Südostanatolien-Projekts (GAP), das seit Jahrzehnten große Teile dieser trockenen Region mit Wasser und Strom versorgt. Beeindruckend, welche Dimensionen dieses Bauwerk hat. In Altınşehir verließen wir schließlich die Hauptstraße und folgten einer kurvigen Nebenstraße die letzten zwölf Kilometer bis zu unserem heutigen Übernachtungsplatz.
Unser Ziel war der Gazihan Dede Mesire Alanı, eigentlich ein großer Picknickplatz direkt am See. Für gerade einmal 150 Türkische Lira bezahlten wir den Eintritt und der freundliche Mitarbeiter erklärte uns, wir könnten uns einfach einen Platz aussuchen. Also fuhren wir immer weiter hinunter bis fast ans Wasser. 🚐 Was für ein herrlicher Stellplatz!
Wäre da nur nicht der viele Müll gewesen. Allerdings mussten wir beide feststellen, dass wir im Laufe der letzten Wochen gegenüber diesem Anblick schon fast etwas abgestumpft waren. Natürlich fanden wir das nicht schön, aber wir ließen uns dadurch den herrlichen Blick auf den See nicht mehr verderben. Im Schatten von Otto und mit einer leichten Brise ließ es sich wunderbar aushalten und so genossen wir ganz entspannt den restlichen Nachmittag. 😊
Gerade als wir mit der Vorbereitung unseres Abendessens beschäftigt waren, kam plötzlich Bewegung auf den Platz. Neugierig schaute ich hinaus und war zunächst positiv überrascht. Die Mitarbeiter sammelten tatsächlich den herumliegenden Müll rund um unseren Stellplatz ein. 👍 Allerdings hielt die Freude nur kurz an. Statt den Müll abzutransportieren, wurde er direkt neben uns in zwei großen Metalltonnen verbrannt. 🔥 Zum Glück stand der Wind günstig, sodass wir nur hin und wieder eine Nase voll verbrannten Plastiks abbekamen. Angenehm war das zwar nicht, aber es hätte deutlich schlimmer kommen können.
Sobald die Sonne langsam tiefer stand, übernahmen dann die Stechmücken das Kommando. 🦟 Draußen war an einen gemütlichen Abend kaum noch zu denken, also verzogen wir uns in Otto, lasen noch ein wenig, stöberten auf unseren Handys und ließen den Tag ganz entspannt ausklingen. Einschlafen wollte allerdings nicht so richtig gelingen. Im Wohnmobil war es selbst spät am Abend noch ziemlich warm und so hatte ich genügend Zeit, mir Gedanken über den nächsten Tag zu machen.
Als Erstes wollte ich mich etwas näher mit der Stadt Adıyaman beschäftigen, die wir morgen erreichen würden. Sie war durch das verheerende Erdbeben von 2023 auf traurige Weise weltweit bekannt geworden. Drei Jahre waren inzwischen vergangen und wir wollten uns selbst ein Bild davon machen, was sich seit dieser schrecklichen Katastrophe verändert hatte. Anschließend stand noch die berühmte Chabinas-Brücke – eine fast 2.000 Jahre alte römische Bogenbrücke – auf unserem Plan. Wie es danach weitergehen würde, wussten wir noch nicht. Aber genau das macht unsere Reisen ja oft so spannend. 😊
Mit diesen Gedanken fielen mir schließlich doch langsam die Augen zu. Morgen würde uns ein Tag erwarten, der uns wahrscheinlich lange in Erinnerung bleiben sollte. 🌙🚐
🚐 08.07.2026 – Zwischen Gänsehaut, Gastfreundschaft und bangen Blicken auf Otto ❤️⛰️
Der Morgen begann mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. 🌅
Wir hatten herrlich geschlafen und waren bestens ausgeruht für neue Abenteuer. Bevor wir jedoch losfuhren, griff ich erst einmal zum Handy. Mich interessierte, was in Adıyaman seit dem verheerenden Erdbeben vom 6. Februar 2023 eigentlich alles passiert war. Damals erschütterte ein Beben der Stärke 7,8 den Südosten der Türkei und den Norden Syriens. Adıyaman gehörte zu den am stärksten betroffenen Städten. Tausende Menschen verloren hier ihr Leben, ganze Straßenzüge stürzten innerhalb weniger Sekunden ein und unzählige Familien standen buchstäblich vor dem Nichts. In den vergangenen drei Jahren wurde zwar mit gewaltigem Aufwand aufgebaut und viele neue Wohnhäuser entstanden, dennoch leben auch heute noch nicht alle Betroffenen wieder in ihrem endgültigen Zuhause. Genau das wollten wir uns selbst einmal anschauen. Irgendwie zog es uns an diesen Ort – nicht aus Sensationslust, sondern weil wir wissen wollten, wie eine Region nach einer solchen Katastrophe wieder auf die Beine kommt. Dabei hatten wir natürlich unweigerlich auch das Ahrtal im Kopf, wo selbst fünf Jahre nach der Flutkatastrophe noch längst nicht alle Schäden beseitigt sind.
Gemütlich packten wir anschließend zusammen und machten uns auf den Weg. Der staubige Weg hinauf zur Ausfahrt des Picknickplatzes hatte es stellenweise noch einmal in sich. An manchen Stellen ging es recht steil bergauf und der lose Untergrund sorgte dafür, dass Otto ordentlich arbeiten musste. Doch wie so oft meisterte er die kleine Herausforderung völlig problemlos. 🚐 Dass unser treuer Begleiter im Laufe des Tages noch an seine absolute Schmerzgrenze kommen würde, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Zurück in Altınşehir entdeckten wir kurz vor der Ortsausfahrt ein bewohntes Containerdorf. Hier hatten nach dem Erdbeben zahlreiche Menschen über längere Zeit ein provisorisches Zuhause gefunden. Ela hatte gelesen, dass viele der neu errichteten Wohnungen inzwischen zwar bezugsfertig seien, die Vergabe jedoch teilweise per Losverfahren erfolgte und noch immer nicht für alle Betroffenen ausreichend Wohnraum zur Verfügung stand. Schon dieser kurze Anblick machte deutlich, welche gewaltigen Herausforderungen eine solche Katastrophe auch Jahre später noch mit sich bringt.
Von dort aus führte uns die D360 direkt nach Adıyaman. Genau in dieser Region hatte das Erdbeben besonders verheerende Schäden angerichtet. Heute sieht das Stadtbild allerdings völlig anders aus. Von den eingestürzten Häusern ist kaum noch etwas zu erkennen. Stattdessen prägen Neubauten, Kräne und zahlreiche Rohbauten das Bild. Überall wird gebaut und gearbeitet. Einerseits beeindruckend, andererseits macht es auch nachdenklich, wenn man weiß, was sich hier vor nur wenigen Jahren abgespielt hat.
Unser eigentliches Ziel war jedoch der Uhrturm im Zentrum der Stadt. Seine Uhr blieb in der Nacht der Katastrophe exakt um 04:17 Uhr stehen – dem Zeitpunkt, an dem das schwere Erdbeben Adıyaman erschütterte. Bis heute wurde sie bewusst nicht wieder in Gang gesetzt und erinnert als Mahnmal an die Opfer jener schrecklichen Nacht. Ganz in der Nähe befindet sich außerdem ein Denkmal mit zwei gefalteten Händen, die sich über einem Schutthügel erheben. Beide Orte stehen heute sinnbildlich für das Leid der Menschen, aber auch für ihre Hoffnung und ihren Willen zum Neuanfang. ❤️
Ein Stück weiter entdeckten wir einen A101-Supermarkt, vor dem wir problemlos parken konnten. Also nutzten wir die Gelegenheit, unsere Vorräte wieder etwas aufzufüllen. Danach wurde die Fahrt deutlich entspannter. Kaum hatten wir Adıyaman hinter uns gelassen, nahm der Verkehr spürbar ab und bis zu unserem nächsten Ziel waren es nur noch rund fünfzig Kilometer.
Unser Ziel war die berühmte Cendere-Brücke, eine fast 2.000 Jahre alte römische Bogenbrücke. Sie gilt als eine der ältesten Brücken der Welt, die heute noch nahezu im Originalzustand genutzt werden kann. Erbaut wurde sie im 2. Jahrhundert nach Christus von der römischen Legion Legio XVI Flavia Firma zu Ehren von Kaiser Septimius Severus. Dass ein Bauwerk nach so langer Zeit noch immer so majestätisch über einem Fluss steht, ist schon beeindruckend. 🌉
Noch bevor wir die Brücke überhaupt zu Gesicht bekamen, faszinierte uns jedoch die Landschaft. Tief unter uns schlängelte sich ein Fluss durch einen wunderschönen Canyon und zwischen den Felsen blitzte immer wieder das türkisfarbene Wasser hervor. Ein paar Kurven später erreichten wir schließlich unser Ziel – den Cendere Kahve, ein kleines Café direkt an der Brücke. Laut Park4Night sollte man hier sogar übernachten können.
Plötzlich fragte Omar ganz beiläufig, ob wir Lust hätten, mit ihm schwimmen zu gehen. Er wollte sowieso gleich in den Canyon und kenne dort die schönsten Badestellen. Ela verzichtete dankend, aber bei mir brauchte er diese Frage eigentlich gar nicht erst stellen. 😄 Also schnell zurück zu Otto, Badehose, T-Shirt und unsere Wasserschuhe geschnappt – ich ahnte bereits, dass wir wohl nicht trockenen Fußes dorthin gelangen würden – und schon machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Ela begleitete uns natürlich trotzdem.
Jetzt bekamen wir die beeindruckende römische Brücke zum ersten Mal in ihrer ganzen Schönheit zu sehen. Gewaltig spannte sich der riesige Steinbogen über den Fluss und fügte sich perfekt in die wilde Landschaft des Canyons ein. Direkt neben der Brücke stiegen wir ins Wasser. Von Kiesbank zu Kiesbank arbeiteten wir uns langsam flussaufwärts. An manchen Stellen war die Strömung überraschend kräftig, sodass Omar sicherheitshalber Elas Hand nahm. Immer wieder hielten wir an, machten Fotos und genossen diese einmalige Kulisse. Schließlich erreichten wir seine geheime Badestelle. 🏞️
Mit einem Schlag war Schluss mit gemütlichem Baden. Fast wie geölte Blitze machten wir uns auf den Rückweg zu Ela, die es sich inzwischen auf einem Felsen gemütlich gemacht hatte. Gemeinsam traten wir sofort den Rückweg an. Schon nach wenigen Metern merkten wir, wie stark sich der Fluss verändert hatte. Das Wasser stand höher und die Strömung hatte deutlich zugenommen. Stellen, die wir auf dem Hinweg noch problemlos durchquert hatten, verlangten nun höchste Konzentration. Vorsichtig setzten wir Schritt für Schritt einen Fuß vor den anderen und suchten ständig nach sicherem Halt auf den glitschigen Steinen. 🌊
Als wir schließlich eine größere Kiesbank erreichten, von der aus man eigentlich zu einer richtig cool aussehenden Höhle hätte gelangen können, wollte ich den Versuch trotzdem noch wagen. Doch schon nach wenigen Metern war klar: Keine Chance. Die Strömung war mittlerweile viel zu stark. Gleichzeitig bemerkten wir auf der gegenüberliegenden Uferseite eine türkische Familie, die nun ebenfalls nicht mehr zurückkam. Sie war durch das steigende Wasser praktisch abgeschnitten. Als ich Omar fragte, was die jetzt machen sollten, antwortete er ganz gelassen: „Warten, bis die Strömung wieder nachlässt.“
Ela und ich liefen anschließend über die beeindruckende Cendere-Brücke zurück und machten unterwegs noch einige Fotos. Dabei staunten wir allerdings nicht schlecht. Obwohl überall Warnschilder vor plötzlich ansteigendem Wasser und Flutwellen warnten, kämpften sich ganze Familien weiter flussaufwärts in den Canyon hinein – also genau in die Richtung, aus der wir gerade wegen der zunehmenden Strömung zurückgekehrt waren. Ehrlich gesagt konnten wir das überhaupt nicht nachvollziehen. Aber ändern konnten wir daran natürlich nichts.
Also machten wir uns schließlich wieder auf den Weg zu Omars Café. Nach diesem kleinen Abenteuer hatten wir uns erst einmal etwas zu trinken verdient – und ein klein wenig Hunger hatten wir inzwischen auch bekommen. 😊☕
Also setzten wir uns erst einmal gemütlich an einen Tisch. Omar gesellte sich zu uns, wir bestellten etwas zu trinken und Menemen, ein typisch türkisches Gericht aus Ei, Tomaten, Paprika und Gewürzen, das herrlich schmeckte. 🍳🥗 Während wir gemeinsam aßen, erzählte Omar von den schweren Monaten nach dem Erdbeben. Auch er hatte zwei Jahre lang in einer Notunterkunft leben müssen, bis er endlich wieder in sein eigenes Zuhause zurückkehren konnte. Solche persönlichen Geschichten gehen einem noch einmal ganz anders unter die Haut als jede Nachricht im Fernsehen. Während wir uns unterhielten, trafen nach und nach drei kleine Reisebusse ein. Gemütlich beobachteten wir das bunte Treiben, genossen die entspannte Atmosphäre und ließen die Zeit einfach ein wenig verstreichen. Ela entdeckte schließlich noch eine schöne handgefertigte Hose, denn Omar verkaufte neben seinem Café auch einige traditionelle Produkte aus seiner Heimat. Nach einem letzten Glas Tee verabschiedeten wir uns herzlich und setzten unsere Reise fort. ☕😊
So schön es hier auch war – der Tag war noch lange nicht vorbei. Unser nächstes Ziel sollte der Nemrut Dağı werden. Eigentlich wollten wir uns zunächst nur den Übernachtungsplatz anschauen. Omar warnte uns allerdings noch lachend: „Da oben weht heute ein ordentlicher Wind. Wenn es euch nicht gefällt, kommt einfach wieder zurück.“ 😄
Also machten wir uns auf den Weg. Die Landschaft wurde mit jedem Kilometer spektakulärer. Straße um Straße schraubten wir uns höher in die Berge. Doch der letzte Anstieg hatte es wirklich in sich. Ich würde schätzen, dass die Steigung stellenweise deutlich über zwanzig Prozent lag. Otto musste jetzt ordentlich arbeiten und kämpfte sich Meter für Meter den Berg hinauf. 🚐⛰️
Oben am kleinen Museum angekommen, kam sofort ein freundlicher Mitarbeiter aus seinem Häuschen und erklärte uns, dass wir hier die Eintrittskarten für den nächsten Morgen kaufen könnten und etwas weiter oben sogar kostenlos übernachten dürften. Also hielten wir kurz an, um mit ihm zu sprechen. Doch als ich anschließend wieder anfahren wollte, passierte etwas, das uns überhaupt nicht gefiel.
Otto wollte plötzlich nicht mehr richtig. 😳
Er ruckelte nur noch mühsam vorwärts, als würde die Kraft des Motors nicht mehr richtig an den Rädern ankommen. Gerade so schafften wir es noch, auf dem Parkplatz abzustellen. Ela und ich schauten uns erst einmal etwas ratlos an.
„Na gut“, dachte ich mir, „erst einmal abkühlen lassen.“
Also gingen wir zunächst ins kleine Museumsgebäude, kauften unsere Eintrittskarten für den nächsten Morgen und genossen von der Dachterrasse den herrlichen Ausblick. 📸 Als wir später zurückkamen, musste Otto allerdings noch ein kleines Stück bis zum eigentlichen Übernachtungsplatz hinauffahren. So schräg, wie wir jetzt standen, konnten wir unmöglich die Nacht verbringen.
Ela lief schon einmal voraus und ich startete vorsichtig den Motor. Zu meiner Erleichterung setzte sich Otto wieder in Bewegung. Zwar fühlte sich alles noch etwas schwammig an und die Kraftübertragung zwischen Motor und Rädern war längst nicht so, wie sie sein sollte, aber immerhin schafften wir die letzten Meter bis zum Stellplatz. Dort stellte ich Otto auf die Auffahrkeile – ganz vorne wollten wir wegen Elas Höhenangst lieber nicht stehen – und dann begann erst einmal die Ursachenforschung. 🔧
Im Internet fand ich mehrere mögliche Erklärungen. Da unser Renault Master von 2012 mit dem automatisierten Quickshift-Getriebe unterwegs ist, könnten verschiedene Dinge die Ursache sein. Vielleicht hatte das Hydrauliköl der Kupplung durch den extrem steilen Anstieg einfach zu hohe Temperaturen erreicht und die Elektronik schaltete vorsorglich in eine Art Schutzmodus. Möglich wäre aber auch eine überhitzte Kupplung, denn gerade bei langen, steilen Bergauffahrten muss sie beim Quickshift-System deutlich mehr arbeiten als bei einem klassischen Schaltgetriebe. Ebenso kamen ein Sensorfehler oder Probleme am Kupplungssteller infrage. Wirklich beruhigend klang keine dieser Möglichkeiten.
Da wir im Moment ohnehin nichts ändern konnten, beschlossen wir, Otto einfach komplett abkühlen zu lassen und erst einmal den Abend zu genießen. Die frische Bergluft war nach den letzten Hitzetagen einfach herrlich. 🌬️ Auf über 2.000 Metern war es angenehm kühl und das Panorama über die umliegenden Berge einfach fantastisch. Trotzdem kreisten meine Gedanken ständig um Otto. Was wäre, wenn tatsächlich etwas Größeres kaputt wäre? Wie sollte man hier oben ein Wohnmobil reparieren? Und vor allem – wie würden wir den Berg wieder hinunterkommen? Omar hatte uns schließlich erzählt, dass im vergangenen Jahr ein holländisches Wohnmobil bei der Abfahrt wegen völlig überhitzter Bremsen im Graben gelandet war und nur mit großem Aufwand geborgen werden konnte. So etwas wollte ich mir lieber gar nicht erst vorstellen.
Gegen Abend rollte dann noch ein Land Rover mit Leonberger Kennzeichen auf den Parkplatz. Schnell kamen wir mit dem sympathischen Paar ins Gespräch. Die beiden hatten sich ein Jahr Auszeit genommen und waren auf dem Weg Richtung Georgien. Gerade als wir beschlossen hatten, den Abend gemeinsam vor Otto ausklingen zu lassen, passierte wieder etwas, das uns einmal mehr zeigte, warum wir die Türkei so mögen. ❤️
Zwei türkische Männer bereiteten sich neben ihrem Fahrzeug gerade etwas zu essen zu. Plötzlich kam einer von ihnen zu uns herüber und gab von uns einfach eine kleine Teigrolle mit frisch zubereitetem Essen. Ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten. Einfach so. Wir schauten uns nur an und mussten lächeln. Solche Gesten erlebt man nicht alle Tage.
Noch eine ganze Weile saßen wir zusammen, plauderten über unsere Reisen und genossen die besondere Stimmung dort oben auf dem Berg. Als es langsam kühl wurde, verabschiedeten wir uns voneinander und jeder zog sich in sein Fahrzeug zurück. Nach einem kleinen Abendessen fielen wir schließlich müde ins Bett. Morgen wollten wir den berühmten Nemrut Dağı mit seinen gigantischen Steinköpfen erkunden. Und mindestens genauso wichtig war die Frage, wie es unserem Otto nach der kalten Nacht gehen würde – und ob wir am Ende auch wieder heil vom Berg herunterkommen würden. 🌙🚐
🚐 09.07.2026 – Nemrut Dağı – Gigantische Steinköpfe und die bange Frage: Hält Otto durch? ⛰️🚐
Die Nacht war etwas durchwachsen gewesen. 🌬️ Mitten in der Nacht hatte plötzlich ein kräftiger Wind eingesetzt und da wir quer zur Windrichtung standen, wurde Otto ordentlich durchgeschüttelt. So richtig ruhig schlafen konnte man dabei nicht. Dazu kam noch, dass ich die halbe Nacht den größten Blödsinn träumte. Unter anderem fuhr ich mit Otto den steilen Abhang hinunter – ohne Kontrolle. 😳 Die Geschichte mit den heißen Bremsen, von der Omar erzählt hatte, steckte mir wohl doch mehr in den Knochen, als ich zugeben wollte. Und dann war da natürlich noch die Sorge um unsere Kupplung. Wahrscheinlich war es einfach die Mischung aus allem.
So kam es, dass ich am nächsten Morgen sogar noch vor Ela wach wurde – eine echte Seltenheit. Eigentlich hatten wir am Abend beschlossen, uns den Sonnenaufgang auf dem Nemrut Dağı zu schenken. Wir hatten schlicht keine Lust gehabt, mitten in der Nacht aufzustehen. Ironischerweise wären wir von der Uhrzeit her nun locker rechtzeitig gewesen, aber wir beide fühlten uns einfach wie gerädert. Auch Ela hatte schlecht geschlafen und ihr Kreislauf wollte an diesem Morgen überhaupt nicht in Schwung kommen. Irgendwie fühlte sich alles nicht richtig an. Also gönnten wir uns erst einmal unsere beiden obligatorischen Tassen Kaffee und machten ein paar guten Morgen Bilder. ☕☕
Danach machten wir Otto fahrbereit und fuhren die letzten zwei Kilometer bis zum Besucherparkplatz unterhalb des Gipfels. Unser Plan war, möglichst vor den ersten Kleinbussen mit den Touristengruppen dort anzukommen. Ehrlich gesagt waren wir auf dieser kurzen Auffahrt weniger auf die Aussicht als vielmehr auf Otto konzentriert. Würde die Kupplung nach den Problemen vom Vortag wieder mitspielen? Ich legte vorsichtig den Gang ein und gab langsam Gas. Zu unserer großen Erleichterung zog Otto völlig problemlos den steilen Anstieg hinauf. 😄 Er schnurrte wie ein zufriedenes Kätzchen. Offenbar hatte sich am Vortag tatsächlich nur alles überhitzt und nach der kühlen Nacht wieder erholt. Da fiel uns beiden erst einmal ein riesiger Stein vom Herzen.
Oben angekommen stellten wir Otto auf dem Parkplatz ab und machten uns zu Fuß auf den Weg. Wieder einmal hatten wir uns vorher nicht ganz so gründlich informiert, wie wir es eigentlich hätten tun sollen. 😅 Denn vom Parkplatz bis zu den berühmten Figuren waren es noch einmal fast dreißig Minuten steil bergauf – hauptsächlich über Treppen. Für Ela, die sich ohnehin nicht wohlfühlte und mit steilen Anstiegen auf über 2.000 Metern Höhe ihre Schwierigkeiten hat, wurde der Weg schnell zu anstrengend. Etwa auf halber Strecke blieb sie stehen und sagte ganz ehrlich, dass sie es heute nicht schaffen würde. Das war vollkommen in Ordnung. ❤️ Wir verabschiedeten uns kurz voneinander, Ela machte sich langsam auf den Rückweg zu Otto und ich setzte den Aufstieg alleine fort. Dass ich auf den letzten Metern selbst schnaufte wie eine alte Dampflok, bestätigte ihre Entscheidung nur noch. 😅
Oben angekommen teilte sich der Weg. Ich entschied mich zunächst für die Ostterrasse. Schon von Weitem ragten die gewaltigen Steinfiguren vor dem Himmel auf. Ein beeindruckender Anblick. Der Nemrut Dağı wurde im 1. Jahrhundert vor Christus von König Antiochos I. des kleinen Königreichs Kommagene als monumentale Grabanlage errichtet. Unter dem riesigen Steinschutt des Gipfels vermuten Archäologen bis heute sein Grab. Gefunden wurde es allerdings noch nie und genau das macht diesen Ort bis heute so geheimnisvoll. Die gewaltigen Steinfiguren stellten Götter, Adler, Löwen und natürlich auch König Antiochos selbst dar. Ihre Köpfe liegen heute vor den Körpern. Ob sie durch Erdbeben, Witterung oder den Zahn der Zeit herabgestürzt sind, ist bis heute nicht endgültig geklärt.
So imposant die Figuren auch waren – das erhoffte absolute Wow-Erlebnis wollte sich bei mir ehrlich gesagt nicht einstellen. Vielleicht lag es daran, dass wir auf unserer Reise inzwischen schon so viele großartige historische Stätten gesehen hatten. Was mich dagegen sofort völlig begeisterte, war das Panorama. 🤩 Von hier oben reichte der Blick kilometerweit über die Berglandschaft. In der Ferne glitzerte sogar der riesige Atatürk-Stausee und viele der umliegenden Gipfel lagen deutlich unter mir. Allein diese Aussicht war den Aufstieg schon wert.
Nachdem ich einige Fotos gemacht hatte, lief ich über die Nordterrasse weiter zur Westterrasse. Dort bot sich ein ähnliches Bild. Wieder standen die gewaltigen steinernen Figuren mit ihren davorliegenden Köpfen. Beeindruckend war vor allem die Vorstellung, wie die Menschen vor mehr als zweitausend Jahren diese tonnenschweren Steinblöcke auf diesen abgelegenen Gipfel transportiert und hier oben verarbeitet hatten. Allein diese Leistung verdient größten Respekt. Trotzdem blieb bei mir das Gefühl, eher ein außergewöhnliches Bauwerk zu bewundern als einen Ort, der mich emotional vollkommen überwältigt.
Nachdem auch hier die letzten Fotos im Kasten waren, machte ich mich schließlich wieder auf den Rückweg zu Ela. Jetzt wartete die nächste Herausforderung des Tages auf uns – die Abfahrt vom Nemrut Dağı. Und ehrlich gesagt war ich fast genauso gespannt auf Otto wie zuvor auf die berühmten Steinköpfe. 🚐⛰️
Wieder bei Ela angekommen, rief sie mich gleich zu sich und bedeutete mir, vorsichtig näherzukommen. Direkt neben ihr saß eine riesige, leuchtend grüne Heuschrecke. 🦗 Das beeindruckende Tier ließ sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Weder Fotos noch Videos schienen sie zu interessieren. Geduldig posierte sie regelrecht für unsere Kamera und wir nutzten natürlich die Gelegenheit für ein paar schöne Aufnahmen.
Doch irgendwann half alles nichts – wir mussten schließlich auch wieder vom Nemrut Dağı herunter. Ehrlich gesagt war mir dabei etwas mulmig zumute. Also startete ich Otto, stellte das Quickshift-Getriebe auf den manuellen Modus und ließ ihn im ersten Gang langsam den Berg hinunterrollen. Selbst dort musste ich immer wieder vorsichtig mit der Fußbremse nachhelfen. Über vier Tonnen Wohnmobil entwickeln bergab eben eine gewaltige Schubkraft. 🚐⛰️
Da unser nächstes Ziel Mardin war, schickte uns Madame Google diesmal glücklicherweise über eine andere Strecke als bei der Auffahrt. Diese war zwar etwas länger, dafür aber deutlich weniger steil. Außerdem gab es immer wieder kurze flache Abschnitte oder sogar leichte Gegenanstiege, sodass sich die Bremsen zwischendurch immer wieder etwas abkühlen konnten. Mit jedem Kilometer wurden Ela und ich entspannter. Nur eine kleine Ortsdurchfahrt mit einer ziemlich engen und teilweise stark beschädigten Straße kostete uns noch einmal ein paar Nerven. Danach rollte Otto wieder ganz gemütlich durch die herrliche Berglandschaft und wir wussten: Das Schwierigste hatten wir geschafft. 😊
Bei der nächsten Gelegenheit hielt ich noch schnell an einer kleinen Bäckerei und besorgte frisches Brot. Daran knabberten wir während der Fahrt schon ein wenig herum. Ein richtiges Frühstück wollten wir allerdings erst an einem schönen Platz genießen. Dieser ließ auch nicht lange auf sich warten. Vor uns tauchte die beeindruckende Nissibi-Euphrat-Brücke auf. Schon von Weitem sah sie einfach fantastisch aus. Also verbanden wir das Angenehme mit dem Praktischen, parkten Otto und frühstückten mit Blick auf dieses beeindruckende Bauwerk. 🌉🥐
Die Nissibi-Brücke überspannt den Euphrat beziehungsweise den Atatürk-Stausee auf einer Länge von rund 610 Metern und verbindet die Provinzen Adıyaman und Diyarbakır. Erst seit 2015 erspart sie den Menschen einen großen Umweg oder die frühere Fährüberfahrt. Mit ihren eleganten Pylonen und den weit gespannten Seilen wirkt sie fast wie ein modernes Wahrzeichen dieser Region. Während wir gemütlich frühstückten, genossen wir den herrlichen Blick auf den riesigen Stausee und ließen die letzten aufregenden Stunden noch einmal Revue passieren.
Frisch gestärkt ging es anschließend weiter. Von unseren heutigen rund 260 Kilometern hatten wir schließlich erst einen kleinen Teil geschafft. Also rollten wir wieder ganz entspannt über die Straßen Ostanatoliens, genossen die abwechslungsreiche Landschaft und sammelten Kilometer. 🚐
Etwa dreißig Kilometer vor Mardin fielen Ela schließlich die Augen zu. Die vielen Eindrücke der letzten Tage und die anstrengende Bergtour forderten wohl ihren Tribut. So bekam sie gar nicht mit, wie ich mich Mardin näherte. Ehrlich gesagt hatte ich mir die Stadt zunächst ganz anders vorgestellt. In meinem Kopf war sie eher ein kleines orientalisches Bergstädtchen. Stattdessen fuhr ich zunächst einmal in eine weitere große türkische Stadt hinein, wie sie hier scheinbar aus dem Nichts in der Landschaft auftauchen. Erst als die Straße langsam den Hang hinaufführte und wir unserem Campingplatz näher kamen, sah ich sie endlich: die wunderschöne historische Altstadt mit ihren hellen Sandsteinhäusern, die sich wie ein riesiges Amphitheater an den Berghang schmiegen. Genau so hatte ich mir Mardin vorgestellt. 🤩
Ela schlief zu diesem Zeitpunkt immer noch tief und fest. Als wir schließlich auf den Mardin Caravan Park einbogen, wachte sie zwar auf – oder besser gesagt: Sie kam langsam wieder zu sich. 😄 Der Platz selbst war ehrlich gesagt eher eine Mischung aus Parkplatz und Autoverwertung. Viel Charme hatte er nicht. Aber in Mardin gab es schlicht keine bessere Alternative und dafür lag er hervorragend.
Ich stellte Ela erst einmal in den Schatten von Otto, holte ihren Stuhl heraus und kümmerte mich anschließend darum, Otto sauber auf unsere Auffahrkeile zu stellen. Später erzählte sie mir, dass sie davon überhaupt nichts mitbekommen hatte. Sie war wohl noch halb im Land der Träume unterwegs. 😂
Nachdem ich mit dem Platzbesitzer alles geregelt hatte, verbrachten wir einen wunderbar entspannten Nachmittag mit Blick auf die traumhaft schöne Altstadt von Mardin. 🕌 Noch schnell erkundigte ich mich, wie wir am nächsten Morgen am besten dorthin gelangen würden. Unser erstes Ziel sollte die Zinciriye-Medrese sein und der Weg dorthin führte ziemlich steil bergauf – nichts für Elas Kreislauf. Der Besitzer grinste nur und meinte ganz entspannt, wir könnten einfach den Bus nehmen. Perfekt, damit war auch der Plan für den nächsten Morgen gemacht.
Nach einem gemütlichen Abendessen fielen uns schließlich beiden die Augen zu. Hinter uns lag ein aufregender Tag mit riesigen Steinköpfen, einer spannenden Bergabfahrt und der Ankunft in einer der wohl orientalischsten Städte der gesamten Türkei. Morgen würden wir Mardin endlich zu Fuß erkunden. 🌙🚐
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