🇹🇷 Türkei mit dem Wohnmobil – Vom Mittelmeer durch das Taurusgebirge nach Kappadokien 🚐🌊⛰️🎈26.06. - 29.06.2026
🚐 Aufbruch ins Taurusgebirge ⛰️
Nach erlebnisreichen Tagen an der türkischen Mittelmeerküste heißt es für uns wieder Abschied nehmen. Myra, die ewigen Feuer von Chimaira, Antalya und Side liegen hinter uns und einmal mehr haben wir festgestellt, wie abwechslungsreich die Türkei eigentlich ist. Jetzt zieht es uns wieder ins Landesinnere. Vor uns liegen das beeindruckende Taurusgebirge, kurvenreiche Straßen und mit Kappadokien eines der Reiseziele, auf das wir uns schon seit Beginn unserer Tour ganz besonders freuen. Mal schauen, welche Abenteuer dort wieder auf uns warten. 😎🇹🇷
🌞 26. Juni 2026 – Abschied vom Meer und hinein ins Taurusgebirge ⛰️🚐🌿
Der heutige Tag bedeutete Abschied vom Meer und auf ins Taurusgebirge. Ela und ich hatten beschlossen, jetzt erst einmal nicht weiter an der Küste entlangzufahren, sondern das türkische Inland kennenzulernen, um später bei Mersin wieder ans Mittelmeer zurückzukehren. Also machten wir Otto wieder reisefertig. Da wir ein paar Tage an einem Platz gestanden hatten und Tweety ständig im Einsatz gewesen war, dauerte das Zusammenpacken etwas länger. Mittlerweile lief aber jeder Handgriff wie von selbst und so konnten wir schon bald aufbrechen. Nach einem kurzen Einkaufsstopp ging es auf die D687 zu unserem ersten Tagesziel, der Altınbeşik-Höhle. Das bedeutete zwar einen kleinen Umweg, doch die direkte Strecke von Side aus sollte laut Beschreibung für ein größeres Wohnmobil ziemlich eng und stellenweise etwas knifflig sein.
Kurz hinter Başlar verließen wir schließlich die D687 und folgten einer deutlich schmaleren und kurvigen Bergstraße in Richtung Ürünlü. Vorher hatten wir gelesen, dass diese Strecke mit einem größeren Wohnmobil nicht ganz ohne sein sollte. Zumindest für unseren Otto stellte sie aber überhaupt kein Problem dar. Nach dem kleinen Ort erreichten wir eine geschlossene Schranke mit einem Häuschen, in dem zwei Männer saßen. Zunächst dachten wir schon, hier wäre Endstation, doch es handelte sich lediglich um den Eingang zum Altınbeşik-Nationalpark. Also bezahlte ich die 250 Türkischen Lira Eintritt, wir bekamen zwei Helme ausgehändigt, die man außerhalb des Fahrzeugs tragen sollte, und schon öffnete sich die Schranke.
Auf Google Maps hatte ich entdeckt, dass es unterwegs einen Aussichtspunkt über den Manastır-Canyon geben sollte. Darauf hatte ich mich schon besonders gefreut, denn die Bilder im Internet sahen beeindruckend aus. Nach einigen engen Kurven und dem einen oder anderen kräftigen Schnaufer von Ela – die Straße verlief stellenweise wirklich ziemlich dicht am Abgrund 😅 – erreichten wir schließlich den Aussichtspunkt.
Und was soll ich sagen? Einfach grandios! 🤩 Vor uns öffnete sich eine gewaltige Schlucht mit nahezu senkrechten Kalksteinwänden. Tief unten schlängelte sich der türkisfarbene Fluss durch den Canyon und die Dimensionen waren kaum in einem Foto festzuhalten. Der Manastır-Canyon gehört zu den landschaftlichen Höhepunkten des Nationalparks und wird seit Jahrtausenden vom Wasser geformt. Die Kombination aus den steilen Felswänden, der unberührten Natur und dem intensiv türkisfarbenen Wasser machte diesen Aussichtspunkt für uns zu einem echten Geheimtipp. Hier trafen wir auch ein russisches Pärchen, das gemeinsam mit uns in den Nationalpark gefahren war. Wie sich später herausstellen sollte, würden wir mit den beiden auch die Bootsfahrt in der Höhle unternehmen.
Nachdem wir genügend Fotos und Videos gemacht hatten, fuhren wir weiter zur eigentlichen Attraktion des Nationalparks, der Altınbeşik-Höhle. Die Parksituation dort war, wie bereits beschrieben, etwas abenteuerlich. Die wenigen Stellmöglichkeiten waren schnell belegt und so wendeten wir Otto auf der schmalen Straße und parkten direkt an der Leitplanke oberhalb des Abhangs. Sicherheitshalber legten wir – genau wie die anderen Fahrzeuge – noch zwei Steine hinter die Hinterräder. Sicher ist schließlich sicher. 🚐
Anschließend setzten wir unsere Helme auf und liefen zum Eingang der Höhle. Unten auf dem kleinen Parkplatz standen lediglich zwei Minibusse und insgesamt war erfreulich wenig Betrieb. Von dort führte ein rund 150 Meter langer, massiver Stahltunnel durch eine steinschlaggefährdete Felsschneise bis direkt zum Höhleneingang. Spätestens hier war klar, warum die Helme vorgeschrieben waren.
Kaum hatten wir den Tunnel verlassen, standen wir direkt am türkisfarbenen Höhlensee. Daneben befand sich lediglich ein kleines Kassenhäuschen und die Boote warteten bereits auf die nächsten Besucher.
Die Altınbeşik-Höhle zählt zu den beeindruckendsten Naturwundern der Türkei und liegt mitten im gleichnamigen Nationalpark. Ihren Namen, der übersetzt „Goldene Wiege“ bedeutet, verdankt sie einem natürlich geformten Felsblock im Inneren der Höhle, der durch seine gelbliche Farbe und Form an eine Wiege erinnert. Die Höhle gehört zu einem gewaltigen Karstsystem unter dem Taurusgebirge, das sich über rund 65 Kilometer bis zum Beyşehir-See erstreckt und damit zu den größten unterirdischen Höhlensystemen der Türkei zählt. Die bisher erforschten Höhlengänge sind rund 5,5 Kilometer lang und bestehen aus drei Ebenen. Besucher können allerdings nur einen kleinen Teil davon erkunden und mit kleinen Booten über den etwa 200 Meter langen unterirdischen See fahren. Dahinter versperrt ein rund 44 Meter hoher Travertinwall den Weg in die tieferen Bereiche der Höhle. Insgesamt befinden sich im Höhlensystem rund 20 Seen, von denen viele bis heute nur von Höhlenforschern erreicht werden können. Schon beim ersten Blick auf das glasklare, türkis schimmernde Wasser wussten Ela und ich, dass sich der kleine Umweg hierher mehr als gelohnt hatte. 😍
Der Eintritt war schnell in bar bezahlt, Kartenzahlung war hier leider nicht möglich. Gerade als eine weitere Besuchergruppe ankam, hieß es für uns und das russische Pärchen: Schwimmwesten an und rein ins Schlauchboot. Unser Paddelmeister nahm Platz und schon glitten wir lautlos über das glasklare Wasser. Bereits nach den ersten Metern waren wir beeindruckt, doch als wir tiefer in die Höhle hineinfuhren, blieb uns beinahe der Atem weg.
Gewaltige Hallen öffneten sich vor uns, wunderschön beleuchtet und mit herrlichem Sinterschmuck verziert. Wieder einmal stellten wir fest, dass jede Höhle ihren ganz eigenen Charakter besitzt. Da Ela und ich mittlerweile in fast jedem Land Höhlen besucht haben, vergleichen wir diese natürlich automatisch miteinander. Genau das macht ihren Reiz aus – keine gleicht der anderen. Allein die Vorstellung, auf einem der größten unterirdischen Seen der Welt mit einem kleinen Ruderboot unterwegs zu sein, sorgte schon für Gänsehaut. 😍
Dann erreichten wir die berühmte Felsformation, die an eine Wiege erinnert und der Höhle ihren Namen „Goldene Wiege“ gegeben hat. Unser Bootsführer machte dort fleißig Fotos von Ela und mir. Das Fotografieren und Rudern gehörte allerdings auch zu seinen einzigen Talenten. 😄 Ein wirklich sympathischer Kerl, aber leider sprach er keine Fremdsprache. Informationen über die Höhle oder ihre Entstehung gab es deshalb keine. Für uns war das nicht weiter schlimm, schließlich waren wir ja fast sozusagen Höhlenexperten 😎😏, aber viele andere Besucher hätten sich bestimmt über ein paar Erklärungen gefreut.
Am Ende des befahrbaren Höhlensees erwarteten uns wunderschöne Sinterkaskaden, die natürlich sofort als Fotomotiv herhalten mussten. 📸
Anschließend paddelten wir langsam wieder zurück, passierten noch einmal die „Goldene Wiege“ und konnten die riesigen Höhlenhallen nun aus einer ganz anderen Perspektive bewundern. Es war einfach wunderschön.
Wieder am Anleger angekommen zogen wir unsere Schwimmwesten aus und ich gab unserem Paddelmeister noch ein kleines Trinkgeld. Danach gönnten wir uns erst einmal ein kühles Getränk. Ein anderer Mitarbeiter sprach ein wenig Englisch und erklärte uns schließlich noch einige Details zur Höhle. Außerdem zeigte er uns die große Informationstafel, auf der alles sogar auf Deutsch beschrieben war. Jetzt wussten wir auch, welch beeindruckendes Höhlensystem sich hier unter dem Taurusgebirge verbarg.
Wir liefen wieder durch den langen Stahltunnel zurück zu Otto, entfernten die Sicherungssteine hinter den Hinterrädern und schon ging es die steile Bergstraße wieder hinauf zur D687. Eigentlich wollten wir der Straße einfach so lange folgen, bis wir irgendwann keine Lust mehr zum Fahren hatten und uns einen schönen Stellplatz für die Nacht suchten. Genau so kam es dann auch. Kurz vor Beyşehir fanden wir auf Park4Night einen Stellplatz direkt im Ort. In der Beschreibung war von einer berühmten hölzernen Moschee die Rede. Plötzlich fiel bei Ela und mir der Groschen: Das war doch genau die Moschee, von der uns Petra und Wolfgang vor ein paar Tagen erzählt hatten und die sie ebenfalls besuchen wollten. Manchmal spielt der Zufall auf Reisen wirklich wunderbar mit. 😊
Bis dorthin waren es nur noch gut dreißig Minuten und wenig später standen wir bereits auf dem Parkplatz direkt vor der Moschee.
Schon von außen machte das Gebäude einen beeindruckenden Eindruck. Zunächst war allerdings erst einmal eine kleine Pause angesagt. Danach schlenderte ich noch etwas durch den Ort, machte ein paar Bilder vom herrlich blauen Beyşehir-See und musste dabei wieder daran denken, dass das riesige Karstsystem der Altınbeşik-Höhle bis hierher reicht und den See mit seinem Wasser speist. Ein faszinierender Gedanke. Anschließend fotografierte ich noch die wunderschöne Moschee und die liebevoll restaurierten Häuser mit ihren kleinen Geschäften und Cafés, die sie umgaben, bevor ich wieder zu Ela und Otto zurückkehrte.
Ela hatte in der Zwischenzeit bereits ein leckeres Abendessen vorbereitet und so ließen wir uns dieses erst einmal schmecken. Den restlichen Abend verbrachten wir ganz gemütlich mit einer Runde Mahjong auf dem Handy. Morgen wollten wir uns dann die berühmte Eşrefoğlu-Moschee genauer anschauen. Sie musste wirklich etwas ganz Besonderes sein. 😎🕌
🌞 27. Juni 2026 – Eine besondere Moschee, türkische Gastfreundschaft und ein riesiges Loch in der Erde 🕌🚔🌍
Obwohl wir mitten in Beyşehir übernachtet hatten, war die Nacht gegen später richtig ruhig geworden und wir konnten hervorragend schlafen – bis um 05:30 Uhr der Imam meinte, uns mit seinem Gebetsruf aus den Federn holen zu müssen. 😄 Na ja, eher Ela, denn ich verschlief die Aufforderung zum Beten mal komplett. Als ich dann endlich mein Kuschelbett verlassen hatte, gab es erst einmal einen Kaffee, anschließend Frühstück und schon machten Ela und ich uns auf den Weg zur Eşrefoğlu-Moschee. Nein, wir waren nicht zum Islam konvertiert. 😄 Wir wollten uns dieses besondere Bauwerk einfach einmal anschauen, wenn wir schon direkt davor übernachtet hatten.
Schon draußen an der Informationstafel konnten wir lesen, dass die Eşrefoğlu-Moschee etwas ganz Besonderes ist. Sie wurde bereits 1299 erbaut und gilt als die größte und am besten erhaltene Holzsäulenmoschee der Seldschukenzeit. Seit 2023 gehört sie sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Betritt man das Gebäude, fühlt man sich sofort mehrere Jahrhunderte in die Vergangenheit versetzt. Wir zogen unsere Schuhe aus und schon beim ersten Blick blieb uns fast der Atem weg. 😍 Der leuchtend blaue Teppich bildete einen wunderschönen Kontrast zu den dunklen Zedernholzsäulen, die das Dach tragen. Jede einzelne Säule war am oberen Ende kunstvoll geschnitzt und strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. 🕌
Als wir nach vorne in Richtung Mihrab liefen, fiel uns mitten in der Moschee eine steinerne Vertiefung im Boden auf. Zunächst konnten wir uns überhaupt keinen Reim darauf machen. Also fragte ich kurzerhand meinen Kumpel ChatGPT. 😄 Tatsächlich diente diese Grube früher dazu, im Winter Schnee hineinzulegen. Während dieser langsam schmolz, erhöhte sich die Luftfeuchtigkeit im Inneren der Moschee. Dadurch trocknete das wertvolle Zedernholz nicht aus und blieb über viele Jahrhunderte hinweg erstaunlich gut erhalten – eine für damalige Zeiten geniale Idee.
Anschließend bestaunten wir noch die prachtvolle Kanzel aus Walnussholz. Sie wurde vollständig ohne Nägel, Schrauben oder Metallverbindungen gefertigt und steht seit über 700 Jahren nahezu unverändert an ihrem Platz. Sofort mussten wir an den Tempel der Wahrheit in Pattaya denken, den wir vor einiger Zeit besucht hatten. Jetzt verstanden wir auch, weshalb diese von außen eher unscheinbare Moschee zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Sie war einfach wunderschön und ein echtes Meisterwerk mittelalterlicher Handwerkskunst. 🤩
Nachdem wir alles in Ruhe bestaunt hatten, machten wir noch ein paar Bilder vom Außenbereich und liefen anschließend zurück zu Otto, der schon ungeduldig auf uns wartete. Schließlich wollten wir unsere Reise in Richtung Osten fortsetzen.
Da wir gestern von der D696 nach Beyşehir abgebogen waren, ging es nun wieder auf der D330 weiter in Richtung Konya. Beide Straßen verlaufen nahezu parallel zueinander. Wie schon am Vortag führte uns die Strecke durch herrliche Berglandschaften, bis plötzlich eine Polizeikontrolle auftauchte und wir ein Zeichen bekamen rechts ran zu fahren. 🚔 Da wir bisher noch nie heraus gewunken worden waren und uns auch keiner Schuld bewusst waren, gingen einem natürlich sofort die unterschiedlichsten Gedanken durch den Kopf. Waren wir irgendwo zu schnell gewesen? Hatten wir ein Schild übersehen?
Ich kurbelte die Seitenscheibe herunter und begrüßte den Polizisten freundlich. Er fragte nach Führerschein und Ausweisen und da auch er dabei lächelte, entspannte sich die Situation sofort etwas. Kurz darauf kam sein Kollege dazu, zeigte ihm ein Tablet und plötzlich hielt uns der Beamte Bilder von seinem Urlaub im vergangenen Jahr in Köln unter die Nase. 😂 Ela und ich schauten uns nur fragend an und verstanden überhaupt nichts. Wenige Minuten später bekamen wir unsere Papiere zurück und durften einfach weiterfahren. Etwas verwundert verabschiedeten wir uns freundlich und setzten unsere Reise fort. Was war denn das bitte gewesen? 😄
Die Straße führte nun bergab und vor uns tauchte eine riesige Stadt auf – Konya. Erst jetzt wurde uns bewusst, dass wir auf eine Millionenstadt zufuhren. Ela googelte kurz während der Fahrt und stellte fest, dass Konya als religiöses und kulturelles Zentrum der Türkei gilt. Hier wirkte im 13. Jahrhundert der berühmte Mystiker Mevlana Rumi, dessen Lehren bis heute Millionen Menschen inspirieren. Außerdem gilt Konya als Heimat der bekannten tanzenden Derwische und gehört zu den ältesten dauerhaft besiedelten Städten Anatoliens. Trotz ihrer Größe ließ sich die Stadt erstaunlich entspannt durchfahren. 🚐
Plötzlich hupte es neben uns. Ich schaute nach links und traute meinen Augen nicht. Die beiden Polizisten von der Kontrolle fuhren neben uns, lachten und gaben uns Zeichen, ihnen zu folgen. Natürlich taten wir das und wenige Minuten später stand Otto tatsächlich auf dem Hof einer Polizeiwache mitten in Konya. 😅 Wir stiegen aus und fragten uns, was jetzt wohl passieren würde. Doch statt einer Standpauke hieß es: „Erst einmal Tee trinken.“ ☕ Wer widerspricht schon der türkischen Polizei? Wir jedenfalls nicht! Also setzten wir uns gemeinsam an den Tisch. Ich erklärte den Beamten mit Hilfe unseres glühenden Google-Übersetzers, dass ich früher ebenfalls Polizist in Deutschland gewesen war und inzwischen im Ruhestand bin. Das war offensichtlich der Türöffner. Wir plauderten über Deutschland, die Türkei, unsere Reisen und schauten uns gegenseitig Urlaubsbilder an. Dann erklärte uns einer der Beamten schließlich den wahren Grund der Kontrolle. Wir waren mit 99 km/h statt erlaubten 90 km/h geblitzt worden. Da wir bei der Kontrolle freundlich gewesen seien und die Überschreitung nur gering ausfiel, hätten sie auf ein Bußgeld verzichtet und uns stattdessen einfach zu einem Tee eingeladen. 😂 Was für eine Geschichte! Zum Abschluss zeigte man uns sogar noch die Polizeiwache und über das Handy eines Beamten unterhielt ich mich mit dessen Schwager, der in Mainz lebt. So etwas erlebt man wohl wirklich nur in der Türkei. Wir verabschiedeten uns herzlich, machten noch ein gemeinsames Erinnerungsfoto und setzten unsere Reise mit einem breiten Grinsen fort. ❤️
Hinter Konya veränderte sich die Landschaft plötzlich komplett. Das Taurusgebirge lag hinter uns und wir befanden uns auf einmal mitten in der zentralanatolischen Steppe. 🌾 Weite Ebenen, kaum noch Bäume und ein kräftiger Seitenwind, der ordentlich an Otto rüttelte.
Die Straße blieb zwar hervorragend ausgebaut, doch irgendwann hatte ich einfach keine Lust mehr weiterzufahren. Also öffnete ich wieder einmal Park4Night und schaute nach einem schönen Stellplatz. Ganz in der Nähe fanden wir einen Parkplatz bei einer alten Karawanserei und einem kleinen See. Das hörte sich doch vielversprechend an.
Nach wenigen Kilometern erreichten wir die Karawanserei. Schon von außen sah das Gebäude wunderschön aus. Der erste Parkplatz sagte uns noch nicht so richtig zu und so fuhren wir weiter zum zweiten Stellplatz hier, der ebenfalls bei Park4Night eingetragen war. Ein Volltreffer!
Kaum hatten wir Otto abgestellt, entdeckte ich allerdings keinen See, sondern ein riesiges Loch im Erdboden. Natürlich musste ich sofort nachsehen. 😳 Direkt vor mir tat sich eine gewaltige Doline auf, die scheinbar bis tief in die Erde reichte. Ich lief sofort zurück zu Ela und jetzt fragten wir erst einmal wieder unseren Reisebegleiter ChatGPT, was wir hier eigentlich entdeckt hatten. Die Antwort verblüffte uns völlig.
Vor uns lag die Kızören-Doline, eine der größten wassergefüllten Einsturzdolinen der Türkei. Sie entstand vor unvorstellbar langer Zeit, als die Decke einer riesigen unterirdischen Karsthöhle einstürzte. Rund 170 Meter misst sie im Durchmesser und erreicht eine Tiefe von etwa 145 Metern bis zum Grund des Sees. Das tiefblaue Wasser füllt einen großen Teil der Doline und steht mit einem weit verzweigten unterirdischen Karstsystem in Verbindung. Die Kızören-Doline zählt heute zu den außergewöhnlichsten Naturphänomenen Zentralanatoliens. 🌍
Gleich daneben steht die historische Obruk Han Karawanserei, die bereits im 13. Jahrhundert, vermutlich um 1249, von den Seldschuken an der berühmten Seidenstraße erbaut wurde. Damals war sie eine wichtige Raststation für Händler und ihre Kamelkarawanen. Hier konnten Mensch und Tier nach den oft tagelangen Märschen sicher übernachten, Wasser auffüllen und ihre Vorräte ergänzen. Nach einer aufwendigen Restaurierung wurde die Karawanserei als Museumshotel wiedereröffnet. Heute kann man dort übernachten, die beeindruckende seldschukische Architektur bewundern und in einem Restaurant einkehren, das den historischen Charakter des Gebäudes bewahrt hat. 🏛️✨
Wieder einmal hatten uns Zufall und Neugier an einen Ort geführt, von dem wir vorher noch nie etwas gehört hatten. Genau deshalb lieben wir das Reisen so sehr. 😍🚐
Ela war mittlerweile hundemüde. Zwar war sie der Aufforderung des Imams nicht gefolgt zu beten, wach gewesen war sie aber trotzdem, seit seine Gesänge heute Morgen durch Beyşehir gehallt waren. 😄 Also gönnte sie sich erst einmal ein wohlverdientes Nachmittagsschläfchen, während ich ein bisschen auf dem Handy herumzappte.
Als Ela wieder fit war, liefen wir gemeinsam hinüber zur historischen Karawanserei. Von außen hatte sie eigentlich den Eindruck gemacht, als wäre sie geschlossen, doch zu unserer Überraschung war sie geöffnet. Hotelpersonal lief geschäftig umher, von Gästen war allerdings weit und breit nichts zu sehen. So konnten wir in aller Ruhe unsere Bilder machen. 📸
Besonders die Dachterrasse hatte es uns angetan. Von dort oben bot sich ein traumhafter Blick hinunter auf die riesige Kızören-Doline. 🏞️ Was für ein herrlicher Ort! Man konnte sich richtig vorstellen, wie hier vor Jahrhunderten die Händler der Seidenstraße mit ihren Kamelkarawanen Rast machten. 🐪
Anschließend liefen wir zurück zu Otto, wo ich mich gleich daran machte, ein Reel über diesen besonderen Ort zu schneiden. Ela zauberte derweil wieder einmal ein leckeres Abendessen und so ließen wir den Tag ganz gemütlich ausklingen. 😊
Eigentlich hatten wir gedacht, dass die kleine Moschee direkt neben unserem Stellplatz längst nicht mehr genutzt würde. Da hatten wir uns allerdings gewaltig getäuscht. 😄 Kaum waren wir eingeschlafen, ertönte schon wieder der Gesang des Imams zum Abendgebet. Ela und ich schauten uns nur an und verdrehten gleichzeitig die Augen. 😂 Wir wussten jetzt schon ganz genau, was uns morgen früh um 05:00 Uhr wieder erwarten würde.
Für den nächsten Tag hatten wir schon einen Plan. Zunächst wollten wir zur nur etwa 40 Kilometer entfernten Sultanhanı-Karawanserei fahren, deren Name uns schon seit geraumer Zeit immer wieder auf den Straßenschildern begegnet war. Ela hatte kurz gegoogelt und dabei herausgefunden, dass sie zu den schönsten und größten Karawansereien der gesamten Türkei gehören sollte. Danach sollte es dann aber endlich weiter nach Göreme und damit hinein nach Kappadokien gehen. Rund 170 Kilometer lagen noch vor uns und wir waren schon unglaublich gespannt, welche Überraschungen dieser besondere Landstrich wohl für uns bereithalten würde. 🎈⛰️🚐
🌞 28. Juni 2026 – Von der größten Karawanserei nach Kappadokien 🎈🚐🏛️
Wie befürchtet brüllte uns der Imam heute Morgen bereits um 05:00 Uhr aus dem Bett. 😄 Es gibt wirklich welche, denen man gerne zuhört, aber dieser hier war wegen seines Gesanges vermutlich strafversetzt worden! 😂 Na ja, etwas Gutes hatte die Sache immerhin. Wir waren früh wach und ich hatte genügend Zeit, den Reiseblog weiterzuschreiben. Da wir gestern wieder jede Menge erlebt hatten, dauerte das Schreiben entsprechend lange, aber daran hatte ich mich mittlerweile schon gewöhnt. Während ich tippte, ruhte sich Ela noch etwas im Bett aus. Über Nacht hatte sie Halsschmerzen und Kopfschmerzen bekommen und wollte nach dem Frühstück erst einmal eine Tablette nehmen. Nicht schon wieder krank, dachte ich mir.
Nach dem Frühstück ging es zu unserem ersten Ziel des Tages, der Sultanhanı-Karawanserei. Es waren gerade einmal 40 Kilometer zu fahren und auf diesen hervorragend ausgebauten Straßen fühlte es sich fast so an, als würde man in Deutschland auf einer leeren Autobahn unterwegs sein. Nur hielt ich mich diesmal ganz brav an die erlaubten 90 km/h, nachdem wir gestern ja schon unsere kleine Begegnung mit der türkischen Polizei gehabt hatten. 😄 Die Polizeipräsenz war hier ähnlich hoch wie damals in Marokko. Auf der einen Seite manchmal etwas lästig, auf der anderen Seite vermittelte sie aber auch ein gewisses Maß an Sicherheit im Land. Das ist etwas, was viele Bürger in Deutschland mittlerweile vermissen. Dort kann es durchaus vorkommen, dass man tagelang kein einziges Polizeifahrzeug zu Gesicht bekommt.
Wir parkten Otto rotzfrech direkt vor der Karawanserei und waren schon von außen ziemlich beeindruckt. Das mächtige Eingangsportal mit seinen kunstvollen Steinmetzarbeiten war ein echter Blickfang. Nachdem wir unseren kleinen Obolus von 100 Türkischen Lira pro Person bezahlt hatten, betraten wir die Anlage und kamen aus dem Staunen kaum noch heraus. 😍
Die Sultanhanı-Karawanserei wurde bereits 1229 unter Sultan Alaeddin Keykubad I. erbaut und wenige Jahrzehnte später nach einem Brand nochmals erweitert. Sie gilt heute als die größte und am besten erhaltene Karawanserei der Türkei und war einst einer der wichtigsten Rastplätze entlang der berühmten Seidenstraße. Händler aus Asien, Persien und Europa machten hier mit ihren Kamelkarawanen Halt, übernachteten sicher hinter den mächtigen Mauern und versorgten Mensch und Tier, bevor ihre oft monatelangen Reisen weitergingen. 🐪🏛️
Im Inneren war alles liebevoll restauriert. Auf der linken Seite konnten wir zahlreiche Räume betreten, in denen erklärt wurde, welche Funktion sie früher einmal hatten. Durch viele ausgestellte Gegenstände konnte man sich das damalige Leben richtig gut vorstellen.
Besonders beeindruckt waren wir von der riesigen überdachten Winterhalle mit ihren mächtigen steinernen Bögen. Heute werden dort wunderschöne orientalische Teppiche ausgestellt und allein dieser Anblick war den Besuch schon wert. Man konnte sich förmlich vorstellen, wie hier vor über 700 Jahren Hunderte Kamele und Händler Schutz vor Schnee, Regen und eisigen Winternächten fanden. 🤩
Nachdem wir dieses beeindruckende Bauwerk ausgiebig erkundet hatten, ging es wieder hinaus zu Otto und weiter auf der D300 über Aksaray in Richtung Kappadokien. Schon nach kurzer Zeit fiel uns in der Ferne ein gewaltiger, teilweise noch schneebedeckter Berg auf, der majestätisch über der Ebene thronte. 🏔️ Je weiter wir fuhren, desto häufiger wanderte unser Blick zu diesem mächtigen Vulkan hinüber, der uns praktisch den ganzen Weg begleitete.
Es handelte sich um den Hasan Dağı, einen fast 3.300 Meter hohen Schichtvulkan, der zu den bekanntesten Bergen Zentralanatoliens zählt. Seine gewaltigen Ausbrüche vor Millionen von Jahren bedeckten die gesamte Region mit mächtigen Schichten aus vulkanischer Asche. Aus diesem Material entstand später der weiche Tuffstein, den Wind und Wasser über Jahrtausende zu den berühmten Feenkaminen und Felslandschaften Kappadokiens formten. Ohne den Hasan Dağı und den ebenfalls nahe gelegenen Vulkan Erciyes gäbe es diese einzigartige Landschaft vermutlich überhaupt nicht. 🌋
Während der Fahrt konnten wir den imposanten Berg immer wieder bestaunen. Mal ragte er einsam über der weiten Steppe empor, mal verschwand er kurz hinter einer Kuppe, nur um wenig später wieder am Horizont aufzutauchen. Allein dieser Anblick machte die Fahrt zu einem besonderen Erlebnis und die Vorfreude auf Kappadokien stieg mit jedem Kilometer. 😍🚐
Obwohl wir wussten, dass wir uns Kappadokien immer weiter näherten, entsprach die Landschaft überhaupt nicht unseren Vorstellungen. Selbst vier Kilometer vor Göreme sahen wir noch nichts von den berühmten Feenkaminen oder den spektakulären Felsformationen. Ela und ich schauten uns schon etwas verwundert an. Hatten wir uns vielleicht doch zu viel erwartet? 🤔
Dann fuhren wir über eine kleine Kuppe und plötzlich lag es vor uns – Kappadokien. 😍⛰️🎈
Auf einen Schlag veränderte sich die Landschaft komplett. Überall ragten bizarre Felskegel, Türme und gewaltige Tuffformationen aus der Erde. Millionen Jahre alte Vulkanausbrüche hatten diese weiche Gesteinsschicht geschaffen und Wind und Wasser formten daraus über unzählige Jahrtausende die einzigartige Landschaft, für die Kappadokien heute weltweit berühmt ist. Kein Wunder, dass dieser Landstrich zum UNESCO-Welterbe gehört. Genau wegen dieses Anblicks waren wir schließlich hierher gefahren.
Da Ela sich nicht besonders wohl fühlte, beschlossen wir bereits am Morgen, diesmal nicht frei zu stehen, sondern auf einen Campingplatz zu fahren. Sie sollte sich ausruhen können und wir wollten vermeiden, mitten in der Nacht vielleicht doch noch von irgendwo weggeschickt zu werden. Unsere Wahl fiel auf den Panorama Camping in Göreme, der nur etwa einen Kilometer von unserem ersten Aussichtspunkt entfernt lag.
Dort angekommen checkten wir ein und buchten gleich drei Nächte. Wenn wir schon einmal hier waren, wollten wir Kappadokien schließlich in aller Ruhe erkunden. 🚐 Otto bekam seinen Stellplatz, Tweety durfte wieder aus der Garage, wir richteten uns gemütlich ein und bestaunten noch einmal die fantastische Landschaft, bevor erst einmal ein wohlverdientes Mittagsschläfchen angesagt war.
Als Ela noch etwas ruhte, schnappte ich mir später Tweety und drehte eine kleine Erkundungsrunde durch Göreme. Eigentlich hoffte ich, irgendwo Wolfgang und Petra wieder zutreffen, denn theoretisch müssten sie inzwischen ebenfalls hier angekommen sein. Leider blieb die Suche erfolglos. Stattdessen bekam ich einen ersten Eindruck von Göreme und musste feststellen, dass dieser Ort vermutlich der Inbegriff des türkischen Tourismus ist. 🎈 Überall reihten sich Anbieter für Ballonfahrten aneinander, dazwischen unzählige Hotels, Restaurants, Souvenirgeschäfte und Reisebüros. Natürlich war das verständlich, schließlich kommen jedes Jahr Millionen Besucher genau wegen dieser einzigartigen Landschaft hierher und mit ihnen lässt sich gutes Geld verdienen. Für Ela und mich, die wir neben den Sehenswürdigkeiten auch immer wieder die Ruhe und Einsamkeit lieben, wirkte das Ganze allerdings schon fast etwas erschlagend. Überall wuselten Touristen durch die Straßen und wir waren gespannt, ob wir neben diesem Trubel auch noch das ursprüngliche Kappadokien entdecken würden. 😊
Da ich ohnehin noch etwas für das Abendessen einkaufen musste, verband ich die kleine Erkundungstour gleich mit einem Besuch im Supermarkt. 🛵🛒 Wieder zurück auf dem Campingplatz gönnte ich mir zunächst ein kaltes Feierabendbier 🍺 und machte mich anschließend ans Kochen. Gemeinsam ließen wir uns das Essen schmecken, lasen noch ein wenig und verschwanden tatsächlich schon kurz vor 20:00 Uhr im Bett. 😴 Mal schauen, ob es Ela morgen wieder besser geht. Und natürlich waren wir gespannt, welche Überraschungen Kappadokien für uns bereithalten würde. 🎈😊
🌞 29. Juni 2026 – Ballone über Göreme und eine Reise tief unter die Erde 🎈🌍🛵
Dass der heutige Tag spannend werden würde, war bei unserem Programm eigentlich schon klar. Dass er uns aber noch einige Überraschungen bereithalten sollte, war heute Morgen noch überhaupt nicht abzusehen. Doch der Reihe nach. 😊
Heute Morgen wachte ich bereits um 05:30 Uhr auf. Ob es an den Stimmen rund um unseren Otto lag oder daran, dass ich unbedingt die berühmten Heißluftballons sehen wollte, kann ich gar nicht sagen. Da ich wusste, dass die Ballone zu dieser Uhrzeit bereits gestartet sein mussten, zog ich mich schnell an und ging hinaus. An der Kante des Plateaus, auf dem unser Panorama Camping lag, standen bereits etliche Menschen und blickten gebannt in den Himmel. Wo die alle so früh herkamen, war mir zwar ein Rätsel, aber ich stellte mich einfach dazu und genoss ebenfalls den Anblick. 🎈😍
Zahlreiche Ballons schwebten bereits über den bizarren Felsformationen Kappadokiens. Ganz so viele wie die hundert oder mehr, von denen man im Internet häufig liest, waren es heute zwar nicht, aber der Anblick war trotzdem wunderschön. Gerade als die ersten Sonnenstrahlen über den Bergkamm krochen und die Landschaft langsam in warmes Licht tauchten, kam auch Ela aus unserem Otto heraus. Man war die verballert. 😂 Die Erkältung machte ihr immer noch ziemlich zu schaffen. Gemeinsam bestaunten wir noch eine ganze Weile die Ballons, bevor wir uns wegen der frischen Morgenluft wieder in unser gemütliches Zuhause auf Rädern verzogen. 🚐
Ich schrieb anschließend unseren Reiseblog weiter, während Ela sich noch etwas ausruhte und las. Danach schnappte ich mir Tweety und fuhr schnell zum Bäcker, frisches Brot holen. 🥖 Nach einem gemütlichen Frühstück standen wir schließlich vor der ersten Entscheidung des Tages. Sollten wir die unterirdische Stadt Kaymaklı besuchen oder doch lieber das etwas weiter entfernte Derinkuyu? Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns schließlich für Derinkuyu. Die Anlage lag rund 35 Kilometer entfernt und galt als die beeindruckendere der beiden Städte. Also machten wir uns fertig, setzten die Helme auf und schon ging es mit Tweety los. 🛵
Am frühen Morgen war es überraschend frisch und wir fuhren zunächst ganz gemütlich. Als wir jedoch auf die vierspurige D765 gelangten, musste ich etwas mehr Gas geben, damit wir nicht zum rollenden Verkehrshindernis wurden. 😄 Dementsprechend leicht durchgefroren erreichten wir schließlich den Parkplatz von Derinkuyu. Bevor wir uns in die Tiefen der Erde wagten, gönnten wir uns erst einmal ein warmes Getränk in einem kleinen Lokal direkt am Eingang. Das tat richtig gut. ☕
Während Kaymaklı etwas weitläufiger gebaut wurde und einen guten Eindruck vom damaligen Alltagsleben vermittelt, gilt Derinkuyu als deutlich tiefer, größer und spektakulärer. Genau deshalb hatten Ela und ich uns heute Morgen für diese Anlage entschieden. Bereits nach den ersten Metern wussten wir, dass diese Entscheidung goldrichtig gewesen war. 😎🏛️
In der obersten Ebene waren die Räume und Gänge noch überraschend hoch und breit. Ich dachte schon, das Internet hätte mal wieder maßlos übertrieben. Dort war schließlich von engen, niedrigen und klaustrophobischen Gängen die Rede gewesen. 😄 Wir schlenderten durch die ersten Räume, folgten dem roten Pfeil und kamen aus dem Staunen überhaupt nicht mehr heraus. Es war einfach unglaublich, was hier vor unvorstellbar langer Zeit aus dem weichen Tuffstein herausgeschlagen worden war.
Teilweise waren die Räume beschriftet und man wusste sofort, wofür sie einst genutzt wurden. Viele andere konnte man einfach betreten und seiner Fantasie freien Lauf lassen. War das eine Küche? Ein Wohnraum? Oder vielleicht ein Vorratslager? Besonders beeindruckte uns der gewaltige Lüftungsschacht, der sich senkrecht bis tief in die Erde hinab zog und die gesamte unterirdische Stadt mit frischer Luft versorgte. 🌍
Dann kam der erste Verbindungstunnel nach unten und schlagartig war Schluss mit der Gemütlichkeit. 😂 Jetzt war plötzlich genau das eingetreten, was wir vorher überall gelesen hatten. Die Gänge wurden schmal, niedrig und teilweise so eng, dass man gebückt hindurchlaufen musste. Für Menschen mit Platzangst dürfte dieser Bereich tatsächlich eine echte Herausforderung sein. Ela und ich erkundeten trotzdem neugierig die tieferen Ebenen und bestaunten dabei immer wieder die riesigen runden Steinrollen, mit denen ganze Gänge innerhalb weniger Sekunden verschlossen werden konnten. Dabei wurde uns bewusst, dass wir vermutlich nur einen kleinen Teil dieser riesigen unterirdischen Stadt überhaupt zu Gesicht bekamen.
Derinkuyu entstand vermutlich schon viele Jahrhunderte vor Christus, seine größte Bedeutung erlangte die Stadt jedoch während der frühen Christenzeit. Immer wieder wurde die Region von fremden Heeren überfallen – zunächst von Persern und Arabern, später auch während religiöser Auseinandersetzungen. Besonders die ersten Christen nutzten die unterirdischen Städte als sicheren Zufluchtsort. Hier konnten sie sich mit ihren Familien, ihren Tieren und ihren Vorräten oft wochenlang verstecken, ohne entdeckt zu werden. Dank der ausgeklügelten Belüftung, eigener Brunnen und riesiger Vorratsräume war das Überleben unter der Erde überhaupt erst möglich. Wenn man durch diese engen Gänge lief, konnte man sich gut vorstellen, welche Ängste die Menschen damals ausgestanden haben mussten. 🕯️
Dann hatten wir aber auch genug gesehen und gingen wieder hinaus ans Tageslicht. Keine 200 Meter vom Eingang entfernt war uns bereits zu Beginn eine Kirche aufgefallen. Tatsächlich eine Kirche und keine Moschee. Natürlich wollten wir uns auch diese noch anschauen. Also liefen wir hinüber und informierten uns zunächst an der großen Hinweistafel.
Die kleine Kirche entpuppte sich als die Üzümlü Kilise, auch St.-Theodoros-Trion-Kirche genannt. Sie wurde nach dem osmanischen Reformedikt von 1856 für die damals hier lebende griechisch-orthodoxe Gemeinde errichtet und am 15. Mai 1858 feierlich eingeweiht. ⛪
Ihren Namen „Üzümlü“, also „Traubenkirche“, verdankt sie den kunstvoll in Stein gehauenen Weinranken und Traubenmotiven rund um das Eingangsportal. Sie erinnern an die große Bedeutung des Weines sowohl für die Region als auch für den christlichen Glauben. Besonders schön fanden wir die reich verzierte Fassade mit ihrem Glockenturm, die sich deutlich von den sonst eher schlichten Gebäuden in Derinkuyu abhob.
Im Inneren wirkte die Kirche zwar etwas in die Jahre gekommen, trotzdem konnte man sich gut vorstellen, welch wichtiger Treffpunkt sie einst für die griechisch-orthodoxen Christen der Region gewesen sein musste. Nach dem Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei im Jahr 1923 wurde die Kirche schließlich aufgegeben. Heute erinnert sie eindrucksvoll daran, dass Kappadokien über viele Jahrhunderte hinweg Heimat verschiedener Kulturen und Religionen war. 😊
In diesem Platz herumzustöbern hatte schon etwas Mystisches. Die alten Malereien, die Tauben, die gläsernen Kreuze, durch die das Sonnenlicht in den Innenraum fiel, und schließlich der Blick von der Empore hinunter in die Kirche – das hatte schon etwas ganz Besonderes. 😊 Ich dachte so bei mir: Wenn die Kirchen in Deutschland, vor allem die katholische Kirche, so weitermachen wie bisher, dann werden deren Kirchen im Jahr 2060 vermutlich auch so aussehen – Lost Places! 🤔
Auch diese Besichtigung ging irgendwann einmal zu Ende und da wir schon wieder Durst hatten, kehrten wir noch einmal in das kleine Restaurant mit dem netten Betreiber zurück und gönnten uns ein paar kühle Getränke. 🥤 Während wir dort saßen, schaute ich auf Google Maps, ob es für die Rückfahrt vielleicht eine schönere Strecke geben würde. Die vierspurige D765 machte mit unserem Tweety nämlich nicht wirklich Spaß. Der liebt eher kleine, kurvige Straßen, auf denen er nicht ständig von vorbeidonnernden Lastwagen durchgeschüttelt wird. 😄 Tatsächlich wurde ich fündig. Von Derinkuyu führte eine kleine Nebenstraße über Mazı nach Ürgüp. Genau die sollte es werden. 🛵
Also Getränke ausgetrunken, Tweety gestartet und schon ging es los. Etwa sieben Kilometer vor Mazı verhaspelte sich Madame Google allerdings gewaltig und schickte uns zunächst in Richtung Yeşilhisar. Dafür wurden wir aber mit einem herrlichen Ausblick auf den mächtigen Erciyes Dağı entschädigt. 🏔️ Mit seinen 3.917 Metern ist er sogar der höchste Vulkan Zentralanatoliens und deutlich höher als der Hasan Dağı. Genau wie dieser spielte auch der Erciyes vor Millionen von Jahren eine entscheidende Rolle bei der Entstehung Kappadokiens. Seine gewaltigen Ausbrüche lagerten riesige Mengen vulkanischer Asche ab, aus denen später der weiche Tuffstein entstand. Ohne diese beiden Vulkane gäbe es die berühmten Feenkamine und die einzigartige Landschaft Kappadokiens vermutlich überhaupt nicht. 🌋
Irgendwie kam mir die Strecke trotzdem spanisch vor und plötzlich wollte Google auch noch wenden. 😂 Na ja, das bedeutete ungefähr zehn Kilometer Umweg, aber der herrliche Blick auf den schneebedeckten Erciyes Dağı entschädigte dafür allemal.
Kurz darauf erreichten wir Mazı. Das kleine Dorf lag wunderschön eingebettet in einer felsigen Landschaft und machte sofort einen sehr ursprünglichen Eindruck. Wir hatten die Ortsmitte als Ziel eingegeben und landeten direkt bei der Moschee – und zu unserer Überraschung auch an einer weiteren unterirdischen Stadt. 😮 Natürlich machten wir erst einmal eine kleine Pause und überlegten, ob wir auch diese noch besichtigen sollten. Ela, die sich immer noch nicht ganz fit fühlte, meinte jedoch nur: „Lass uns lieber weiterfahren.“ Und irgendwie hatte sie ja auch recht.
Die unterirdische Stadt von Mazı gehört ebenfalls zu den großen Anlagen Kappadokiens, ist allerdings deutlich weniger bekannt als Derinkuyu oder Kaymaklı. Gerade deshalb gilt sie bis heute als kleiner Geheimtipp. Viele ihrer Räume dienten früher als Wohnbereiche, Vorratslager und Ställe. Anders als in Derinkuyu führen einige Eingänge hier sogar waagerecht direkt in den Fels hinein und nicht ausschließlich über tiefe Schächte nach unten. Vermutlich lebten die Bewohner über der Erde und nutzten die unterirdische Stadt hauptsächlich als sicheren Zufluchtsort in unruhigen Zeiten. 🏛️
Wir fuhren weiter und folgten dem kleinen Canyon. Dabei fiel uns etwas Merkwürdiges auf. Überall führten große Tore direkt in die Felsen hinein und auf den Hügeln ragten unzählige Lüftungsrohre aus dem Boden. 🤔 Das zog sich kilometerweit bis kurz vor Ürgüp. Wurde hier irgendetwas abgebaut? Lagerte man dort unten etwas? Wir hatten absolut keine Ahnung und beschlossen, der Sache später nachzugehen.
Die Gelegenheit dazu ergab sich wenig später an einer kleinen Brücke über einen landschaftlich wunderschönen Canyon. Dort hielten wir an, machten ein paar Fotos 📸 und begannen zu recherchieren. Die Antwort überraschte uns tatsächlich ziemlich.
Bei den vielen Toren handelte es sich überwiegend um Zugänge zu natürlichen Tuffsteinhöhlen, die heute als Lager für landwirtschaftliche Produkte genutzt werden. Besonders Kartoffeln, Zwiebeln, Zitronen und anderes Gemüse werden hier eingelagert. 🥔🧅 Die Temperatur liegt in diesen Höhlen das ganze Jahr über nahezu konstant zwischen 8 und 12 Grad und die Luftfeuchtigkeit ist ideal. Dadurch funktionieren sie wie riesige natürliche Kühlschränke – ganz ohne Strom. Einige dieser unterirdischen Lager gehören zu den größten ihrer Art in der gesamten Türkei und versorgen große Teile des Landes mit frischem Gemüse. 🌍 Wieder einmal staunten wir darüber, was die Natur und die Menschen hier gemeinsam geschaffen hatten.
Irgendwann landeten wir dann tatsächlich wieder auf unserem Panorama Campingplatz und mit unserem kleinen Umweg waren wir heute tatsächlich fast 100 Kilometer mit Tweety unterwegs gewesen. 🛵😄 Da wir solche Strecken mit dem Roller gar nicht mehr gewohnt waren, tat uns am Ende tatsächlich ein bisschen der Hintern weh.
Gerade als wir uns zu einer kleinen Nachmittagssiesta hinlegen wollten, hörten wir draußen Stimmen und plötzlich kehrte etwas Unruhe auf unserem bis dahin so beschaulichen Campingplatz ein. Wir hörten den Besitzer Englisch sprechen, also mussten es ausländische Gäste sein. Als wir nach draußen schauten, trauten wir unseren Augen kaum. 😍 Petra und Wolfgang, die wir in Side kennengelernt hatten und mit denen wir uns auf Anhieb so gut verstanden hatten, fuhren gerade auf den Platz und stellten sich tatsächlich direkt neben uns. Was für eine Wiedersehensfreude! 🥳
Nachdem die beiden ihr Wohnmobil geparkt und eingerichtet hatten, erfuhren wir auch, warum sie erst zwei Tage nach uns hier angekommen waren. Sie hatten unterwegs noch einige Sehenswürdigkeiten besucht und erzählten begeistert von ihren Erlebnissen. Manche davon kannten wir bereits, andere hätten wir vielleicht auch gerne gesehen. Aber genau das macht das Reisen ja aus. Man kann einfach nicht alles sehen und erleben. 😊 Dafür fassten wir gemeinsam einen neuen Plan: Wenn das Wetter mitspielen würde, wollten wir in den nächsten Tagen zusammen eine Ballonfahrt über Kappadokien machen. Allein der Gedanke daran sorgte schon für riesige Vorfreude. 🎈🤩
Jetzt war aber erst einmal Zeit fürs Abendessen. Nach diesem erlebnisreichen Tag waren wir beide ziemlich geschafft und legten uns anschließend einfach nur noch gemütlich ins Bett. Das funktionierte allerdings nur so lange, bis plötzlich Wolfgang an unsere Tür klopfte und meinte, wir müssten unbedingt noch einmal aufstehen. Der Mond sei heute Abend einfach unglaublich schön. 🌕
Zum Glück hörten wir auf ihn. Als wir nach draußen traten, bot sich uns ein Anblick, den wir so schnell nicht vergessen würden. Der Vollmond stand über den bizarren Felsformationen Kappadokiens und tauchte die gesamte Landschaft in ein faszinierendes Licht. Einfach traumhaft! 📸😍 Wieder einmal ärgerte ich mich darüber, keine bessere Kamera dabeizuhaben. Nachdem wir gefühlt tausend Bilder gemacht hatten, verabschiedeten wir uns endgültig voneinander, wünschten uns eine gute Nacht und verschwanden zurück in unseren Otto. 😴
Morgen wollten wir dann endlich die berühmten Täler und Felsformationen Kappadokiens erkunden. Wir waren schon jetzt gespannt, welche Überraschungen dieser außergewöhnliche Landstrich noch für uns bereithalten würde. 🏜️🚐😊
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